„Zieh deinen Gesellschaftsrock an, damit du direkt zur Gräfin Bolj fahren kannst.“
„Ist denn das so unbedingt notwendig?“
„Unbedingt! Er ist bei uns gewesen. Und was kostet es dich? Du fährst hin, setzest dich, sprichst fünf Minuten über das Wetter, stehst wieder auf und fährst fort.“
„Du glaubst nicht; ich bin dessen so entwöhnt, daß mir selbst dies schwer wird. Wie wird man es aufnehmen? Kommt da ein fremder Mensch zu ihnen, setzt sich, bleibt ohne jeden Grund länger sitzen, stört die Familie, bringt sich aus der Stimmung, und geht dann wieder!“ —
Kity lachte.
„Aber du hast doch als Junggeselle noch Visiten gemacht?“ sagte sie.
„Allerdings; es ist mir aber stets unangenehm gewesen; jetzt bin ich so davon entwöhnt, daß ich, bei Gott, lieber zwei Tage nicht essen will, als diese Visite machen. So schwer fällt sie mir. Mir scheint stets, als ob man verletzt sei und sagen wolle: ‚Weshalb bist du denn eigentlich ohne Grund hierhergekommen?‘“ —
„O nein; man fühlt sich nicht verletzt. Dafür bürge ich dir schon,“ sagte Kity, ihm lachend ins Gesicht schauend. Sie nahm seine Hand, „nun leb' wohl — fahre hin, ich bitte dich.“ Er wollte schon gehen, nachdem er ihre Hand geküßt hatte, als sie ihn zurückhielt. „Mein Kostja, du weißt wohl, daß ich nur noch fünfzig Rubel habe?“
„Nun, dann will ich zur Bank fahren, um dort Geld zu erheben. Wieviel brauchst du denn?“ sagte er mit einem ihr bekannten Ausdruck von Mißvergnügen.
„Nein doch; warte.“ Sie hielt ihn an der Hand zurück. „Sprechen wir darüber; dies beunruhigt mich. Ich, glaube doch, gebe nichts Überflüssiges aus, und doch geht das Geld nur so dahin. Wir machen Etwas nicht richtig.“