6.
„Man empfängt wohl nicht?“ sagte Lewin, in den Flur des Hauses der Gräfin Bolj tretend.
„Man empfängt, bitte,“ antwortete der Portier, ihm resolut den Pelz abnehmend.
„Ist das unangenehm,“ dachte Lewin, mit einem Seufzer den einen Handschuh abstreifend und seinen Hut glättend. „Weshalb komme ich denn eigentlich? Was soll ich denn mit ihnen reden?“
Durch den ersten Salon schreitend, traf Lewin in der Thür die Gräfin Bolj, welche mit geschäftigem und ernstem Ausdruck dem Diener einen Befehl erteilte.
Als sie Lewin erblickte, lächelte sie und nötigte ihn in den folgenden, kleinen Salon, aus welchem Stimmen vernehmbar waren. In diesem Salon saßen auf Lehnstühlen die beiden Töchter der Gräfin und ein, Lewin bekannter, Moskauer Oberst. Lewin näherte sich ihnen, grüßte, und ließ sich neben dem Diwan nieder, den Hut auf dem Knie haltend.
„Wie ist das Befinden Eurer Frau? Waret Ihr im Konzert? Wir konnten nicht! Mama mußte bei einer Totenmesse gegenwärtig sein.“
„Ja, ich habe gehört — welch ein plötzlicher Todesfall,“ sagte Lewin.
Die Gräfin kam, setzte sich auf den Diwan und frug gleichfalls nach seiner Frau und dem Konzert.
Lewin antwortete und wiederholte die Frage nach dem plötzlichen Tode der Apraksina.