Anna sprach ungezwungen und ohne Hast, bisweilen ihren Blick von Lewin auf ihren Bruder richtend. Ersterer empfand, daß der Eindruck, den er hervorbrachte, ein guter sein mußte, und sogleich wurde es ihm nun in ihrer Gesellschaft so leicht, so frei und behaglich zu Mut, als hätte er sie von Kindheit an gekannt.
„Ich habe mit Iwan Petrowitsch im Kabinett Alekseys Platz genommen,“ sagte sie, Stefan Arkadjewitsch auf dessen Frage, ob man rauchen dürfe, — antwortend „damit er eben rauchen könne,“ und nahm, auf Lewin blickend, anstatt zu fragen ob er rauche, ein Cigarrenetuis von Schildkrot, aus welchem sie eine Cigarette zog.
„Wie steht es jetzt mit deiner Gesundheit?“ frug sie ihr Bruder.
„Wie soll es gehen; die Nerven sind stets dieselben.“
„Nicht wahr, ziemlich gut?“ sagte Stefan Arkadjewitsch, bemerkend, daß Lewin das Porträt betrachtete.
„Ich habe noch nie ein besseres Porträt gesehen.“
„Und ziemlich ähnlich, nicht wahr?“ sagte Workujeff.
Lewin schaute vom Porträt auf das Original. Ein eigentümlicher Glanz erleuchtete das Antlitz Annas, während sie seinen Blick auf sich ruhen fühlte. Lewin errötete, und wollte, um seine Verlegenheit zu verbergen, fragen, ob es schon längere Zeit her sei, daß sie Darja Aleksandrowna gesehen habe, doch im selben Augenblick begann Anna:
„Ich habe mit Iwan Petrowitsch soeben von den letzten Gemälden Waschtschenkoffs gesprochen. Habt Ihr sie gesehen?“
„Ja, ich habe sie gesehen,“ antwortete Lewin.