„Ihr waret wohl im Klub?“ wandte sie sich zu ihrem Bruder.
„Ja, das ist ein Weib!“ dachte Lewin, sich ganz vergessend und unverwandt in ihr schönes, bewegliches Gesicht blickend, welches sich jetzt plötzlich vollkommen verändert hatte. Lewin hörte nicht, wovon sie sprach, indem sie sich zu ihrem Bruder gewandt hatte, er war betroffen von der Veränderung ihres Ausdrucks. Vorher so herrlich in seiner Ruhe, drückte ihr Gesicht plötzlich eine seltsame Neugier, Zorn und Stolz aus. Doch dies währte nur eine Minute. Dann blinzelte sie, als denke sie an Etwas.
„Nun ja, dies ist aber doch für niemand von Interesse,“ sagte sie und wandte sich zu der kleinen Engländerin.
„Please, order the tea in the drawing-room.“
Das kleine Mädchen erhob sich und ging hinaus.
„Nun; hat sie das Examen bestanden?“ frug Stefan Arkadjewitsch.
„Vorzüglich. Es ist ein sehr beanlagtes Mädchen und ein liebenswerter Charakter.“
„Und die Sache wird damit enden, daß du sie mehr liebst, als dein eigenes Kind.“
„So spricht ein Mann. In der Liebe giebt es kein mehr oder weniger; ich liebe meine Tochter mit einer bestimmten, dieses Mädchen mit einer anderen Liebe.“
„Ich sage eben zu Anna Arkadjewna,“ sagte Workujeff, „daß sie, wenn sie auch nur ein Hundertstel der Energie, welche sie für diese Engländerin einsetzt, auf das gemeinsame Werk der russischen Kindererziehung verwendete, eine große, nützliche That vollbrächte.“