„Ja, das was Ihr da wollt, konnte ich nicht. Graf Aleksey Kyrillowitsch hat mich lebhaft ermuntert“ — indem sie die Worte „Graf Aleksey Kyrillowitsch“ aussprach, schaute sie schüchtern fragend Lewin an, welcher ihr unwillkürlich mit einem ehrerbietigen und bestätigenden Blicke antwortete, „mich mit dem Dorfschulwesen zu befassen. Ich kümmerte mich mehrmals darum; die Schulen sind mir sehr wert, aber ich vermochte es nicht, mich der Sache zu widmen. Ihr sprecht von Energie? Die Energie beruht auf der Liebe, und die Liebe läßt sich nicht irgend woher nehmen, nicht anbefehlen. So habe ich dieses Mädchen da lieb gewonnen, ohne selbst zu wissen, weshalb.“

Sie blickte wiederum Lewin an; ihr Lächeln, ihr Blick, alles sagte ihm, daß sie an ihn nur ihre Worte richte, seine Meinung würdige, und dabei im voraus wisse, daß sie sich gegenseitig verstanden.

„Ich begreife das vollkommen,“ antwortete Lewin, „für die Schule und überhaupt für ähnliche Einrichtungen läßt sich nicht das Herz einsetzen, und ich glaube, daß eben infolge dessen diese humanistischen Einrichtungen stets so geringe Resultate erzielen.“

Anna schwieg eine Weile, dann lächelte sie. „Ja, ja,“ bestätigte sie, „ich habe das nie vermocht. Je n'ai pas le coeur assez large, um ein ganzes Bewahrungshaus voller häßlicher kleiner Mädchen lieb haben zu können. Cela ne m'a jamais réussi. Es giebt jedoch so viele Frauen, welche sich hieraus eine position sociale begründet haben. Und jetzt,“ sprach sie mit trauerndem, zutraulichem Ausdruck, äußerlich zu ihrem Bruder gewendet, augenscheinlich aber nur zu Lewin: „jetzt, wo mir eine Beschäftigung so nötig ist, kann ich es um so weniger.“

Plötzlich finster werdend — Lewin nahm wahr, daß sie es über sich selbst wurde, weil sie über sich gesprochen hatte — veränderte sie aber das Thema.

„Ich weiß von Euch,“ sagte sie zu Lewin, „daß Ihr ein schlechter Bürger seid, und ich habe Euch doch verteidigt, so gut ich es verstand.“

„Wie habt Ihr mich denn verteidigt?“

„Bezüglich gewisser Angriffe. Indessen, ist nicht ein wenig Thee gefällig?“ Sie erhob sich und nahm ein in Saffian gebundenes Buch zur Hand.

„Gebt mir dasselbe, Anna Arkadjewna,“ sagte Workujeff, auf das Buch zeigend, „es ist recht wohl wert.“

„O nein; es ist noch so ungefeilt.“