„Anna; es ist unmöglich, so zu leben“ —

„Ihr, nicht ich,“ wiederholte sie.

„Das wird unerträglich!“

„Ihr, Ihr werdet die Reue empfinden,“ sprach sie und ging hinaus.

Erschreckt von dem verzweifelten Ausdruck, mit welchem diese Worte gesprochen worden waren, sprang er auf und wollte ihr nacheilen, doch indem er sich besann, setzte er sich wieder, sein Gesicht wurde finster, indem er die Zähne fest aufeinanderbiß.

Diese Drohung, welche unziemlich war, wie er fand, hatte ihn gereizt.

„Ich habe alles versucht,“ dachte er, „es bleibt nur noch Eins übrig — sie nicht mehr zu beachten“ — und machte sich fertig, in die Stadt zu fahren, nochmals zur Mutter, von welcher er eine Unterschrift für die Vollmacht haben mußte.

Sie vernahm das Geräusch seiner Schritte im Kabinett und durch den Speisesalon. Im Salon blieb er stehen; doch wandte er sich nicht zu ihr, sondern erteilte nur Befehl, daß man in seiner Abwesenheit den Hengst an Wojtoff ausliefere. Dann vernahm sie, wie man den Wagen brachte, die Thür sich öffnete und er wiederum hinaustrat. Aber er kehrte nochmals in den Flur zurück und es kam jemand nach oben geeilt. Der Kammerdiener lief nach den vergessenen Handschuhen. Sie trat an das Fenster und sah, wie er, ohne hinzublicken die Handschuhe ergriff, mit der Hand den Rücken des Kutschers berührte und demselben etwas sagte. Ohne die Fenster zu mustern, setzte er sich hierauf in seiner gewohnten Pose in den Wagen, legte die Füße übereinander und drückte sich, einen Handschuh anstreifend, in die Ecke.

27.

„Er ist fort. Es ist zu Ende!“ sprach Anna zu sich selbst, am Fenster stehend und zur Antwort auf diese Worte erfüllten jene Eindrücke in der Finsternis nach dem Erlöschen des Lichtes, und des furchtbaren Traumbildes in Eins zusammengeflossen, ihr Herz mit kaltem Entsetzen. „Nein, es kann nicht sein!“ schrie sie auf und schellte heftig, durch das Zimmer eilend. Ihr war es jetzt so bange, allein zu bleiben, daß sie, ohne das Erscheinen des Dieners abzuwarten, diesem entgegenkam.