„Ich kann diese Sammelbüchsen nicht mit ruhigem Blute sehen, so lange ich Geld habe,“ sagte er. „Was für eine Depesche haben wir denn heute? Die Tschernogorzen sind doch wackere Kerle!“ —
— „Was Ihr sagt!“ rief er aus, als ihm die Fürstin mitteilte, daß Wronskiy mit diesem Zug abfahre. Für einen Augenblick drückte das Gesicht Stefan Arkadjewitschs Trauer aus, aber nach Verlauf einer Minute hatte er, nachdem er leicht mit jedem Fuße einige Male gezuckt, und sich dann den Backenbart gestrichen hatte, das Zimmer, in welchem Wronskiy war, betretend, schon völlig sein verzweifeltes Schluchzen über dem Leichnam der Schwester vergessen, und sah in Wronskiy nur den Helden und alten Freund.
„Bei all seinen Mängeln kann man nicht anders, als ihm Gerechtigkeit widerfahren lassen,“ sagte die Fürstin zu Sergey Iwanowitsch, sobald Oblonskiy sie beide verlassen hatte. „Es ist das so eine echt russische, slavische Natur! Nur fürchte ich, es wird Wronskiy nicht angenehm sein, ihn zu sehen. Was Ihr auch sagen mögt, mich rührt das Geschick dieses Mannes. Ihr werdet wohl mit ihm während der Fahrt sprechen,“ sagte die Fürstin.
„Ja vielleicht, wenn sich Gelegenheit bietet.“
„Ich habe ihn nie gern gehabt. Aber dieser Entschluß macht vieles wieder gut. Er reist nicht nur für sich allein, sondern führt eine Eskadron auf eigne Rechnung mit.“
„Ja, ich habe davon gehört.“
Die Glocke ertönte; alles drängte sich nach den Thüren.
„Da ist er!“ fuhr die Fürstin fort, auf Wronskiy weisend, welcher, im langen Überrock und schwarzem Hut mit breitem Rande, seine Mutter am Arm führte. Oblonskiy ging lebhaft sprechend neben ihm.
Wronskiy blickte finster vor sich hin, als höre er nicht, was Stefan Arkadjewitsch sprach.
Wahrscheinlich auf eine Weisung Oblonskiys hin, schaute er nach der Seite, auf welcher die Fürstin und Sergey Iwanowitsch standen und lüftete schweigend den Hut. Sein gealtertes, und Leiden ausdrückendes Gesicht erschien wie versteinert.