Er suchte sich der seligsten Minuten mit ihr zu erinnern, doch diese waren ihm auf ewig vergiftet. Er rief sie sich nur als die Triumphierende ins Gedächtnis zurück, welche ihre Drohung ausgeführt hatte, die niemand nützte und durch Reue nicht auszugleichen war. Den Zahnschmerz fühlte er nicht mehr, aber Schluchzen verzerrte sein Gesicht.
Nachdem er zweimal wortlos an den Säcken vorübergeschritten war, wandte er sich, nachdem er seine Selbstbeherrschung wiedergewonnen hatte, ruhig an Sergey Iwanowitsch.
„Habt Ihr keine Depesche seit der gestrigen erhalten? Der Feind ist zwar zum drittenmal geschlagen, aber morgen erwartet man die Entscheidungsschlacht.“
Nachdem sie noch über die Proklamation des Königs Milan und die weittragenden Folgen, welche dieselbe haben könne, gesprochen hatten, trennten sich beide nach dem zweiten Glockensignal und gingen nach ihren beiderseitigen Waggons.
6.
Da Sergey Iwanowitsch nicht wußte, wann er Moskau würde verlassen können, hatte er nicht an seinen Bruder telegraphiert, daß man ihn abhole.
Lewin war nicht daheim, als Katawasoff und Sergey Iwanowitsch in einem kleinen Tarantaß, der auf der Station gemietet worden war, staubbedeckt wie Araber um zwölf Uhr mittags vor der Freitreppe des Herrenhauses von Pokrowskoje vorfuhren.
Kity, welche mit ihrem Vater und der Schwester auf dem Balkon gesessen hatte, erkannte den Schwager und eilte hinunter, ihn zu bewillkommen.
„Wie unrecht von euch, uns nicht Nachricht zu geben,“ sagte sie Sergey Iwanowitsch die Hand reichend und ihm die Stirn darbietend.
„Wir sind ganz wohlbehalten hierher gelangt und haben euch nicht erst Umstände gemacht,“ antwortete Sergey Iwanowitsch. „Ich bin so voll Staub, daß ich mich fürchte, jemand anzurühren. Ich war auch so beschäftigt, daß ich nicht einmal wußte, wann ich mich würde losmachen können. Aber ihr haltet es nach altgewohnter Weise,“ lächelte er, „ihr freut euch eures stillen Glückes fern von Zeitläuften in eurem stillen Heim. Da hat sich auch mein Freund Fjodor Wasiljewitsch endlich mit aufgemacht.“