„Doch nein,“ dachte er dann, „ich mag nicht mit ihnen streiten, sie tragen einen undurchdringlichen Panzer, während ich nackt bin.“
Er sah, daß er seinen Bruder und Katawasoff nicht überzeugen könne, und daß nun noch weniger eine Möglichkeit, mit ihnen seinerseits übereinzukommen vorhanden sei. Das, was sie predigten, war aber jener geistige Hochmut, der ihn beinahe vernichtet hätte. Er konnte sich nicht damit einverstanden erklären, daß eine Handvoll Menschen, unter ihnen sein Bruder, das Recht haben sollten, auf Grund dessen, was ihnen die hunderte der durch die Hauptstädte reisenden Freiwilligen erzählt hatten, zu sagen, sie und die Presse drückten die Meinung des Volkes aus, und noch dazu eine Meinung, die in Vergeltung und Mord ihren Ausdruck fand.
Er konnte damit nicht übereinkommen, weil er gar keinen Ausdruck dieser Gedanken in dem Volke, in dessen Mitte er lebte, bemerkt, dieselben auch in sich selbst nicht gefunden hatte, und er konnte sich nicht für etwas Anderes halten, als für einen von jenen Menschen, aus denen das russische Volk besteht, hauptsächlich aber konnte er deshalb nicht zustimmen, weil er gleich dem Volke, weder wußte noch erfahren konnte, worin das allgemeine Wohl bestehe, während er genau wußte, daß die Erreichung dieses allgemeinen Wohles nur bei strenger Erfüllung jenes Gesetzes des Guten möglich sei, das jedem Menschen geoffenbart ist und er schon deshalb einen Krieg nicht wünschen, oder für allgemeine Zwecke irgend welcher Art eintreten könne. Er sprach im Einklang mit Michailowitsch und dem Volke, das seine Meinungen in der Überlieferung von der Herbeirufung der Warjäger ausdrückte:
„Herrscht über uns, wir versprechen Euch freudig volle Ergebenheit. Alle Arbeit, alle Erniedrigung, alle Opfer nehmen wir auf uns, und wir wollen nicht selber richten und schlichten.“
Jetzt aber hatte nach den Worten des Sergey Iwanowitsch das Volk auf dieses so teuer erkaufte Recht verzichtet.
Er wollte noch sagen, daß wenn die öffentliche Meinung ein unfehlbarer Richter wäre, die Revolution und die Kommune doch ebenso gesetzmäßig sein müßte, wie diese Bewegung zu Gunsten der Slaven.
Dies alles aber waren nur Gedanken, die nichts entscheiden konnten. Eines allein war unzweifelhaft zu sehr erkennbar: der Streit hatte Sergey Iwanowitsch jetzt gereizt, und es war deswegen nicht gut mit demselben zu disputieren. Lewin schwieg daher, und widmete seine Aufmerksamkeit nun den Gästen, da Wolken heraufgezogen kamen und man wohl daran that, nach Hause zu gehen, bevor es zu regnen begann.
17.
Der Fürst und Sergey Iwanowitsch setzten sich in den Wagen und fuhren; die übrige Gesellschaft ging langsam zu Fuß nach Haus.
Die Wolke kam indessen, bald weiß, bald schwarz, so schnell herauf, daß man den Schritt verdoppeln mußte, um noch vor dem Regen heim zu sein.