„Nun, habe ich etwa gesagt, ich fühlte nichts für ihn? Ich habe nur gesagt, daß ich von ihm enttäuscht worden wäre.“
„Wie; von dem Kinde enttäuscht?“
„Nicht von ihm enttäuscht, wohl aber von meinem Gefühl. Ich hatte mehr erwartet. Ich hatte erwartet, daß sich, gleich einer Überraschung, in mir ein ganz neues und angenehmes Gefühl regen würde. Und plötzlich, anstatt dessen, fühlte ich nur Widerwillen und Mitleid“ —
Sie hörte ihm aufmerksam zu, während sie ihre Ringe wieder auf die feinen Finger steckte, die sie vorher abgestreift hatte, um das Kind zu baden.
„Die Hauptsache dabei war doch, daß es bei weitem mehr Schrecken und Schmerz gegeben hat, als Freude. Heute, nach dem Schrecken während des Gewitters habe ich erkannt, wie ich das Kind liebe.“
Kity erstrahlte von einem Lächeln.
„Du warst wohl sehr in Schrecken?“ frug sie. „Ich war es auch, doch ist mir es jetzt noch viel ängstlicher zu Mut, nachdem es vorbei ist. Ich werde mir die Eiche besehen. O wie lieb doch Mitja ist! Das Kind ist überhaupt den ganzen Tag so reizend gewesen, doch du bist wohl so gut, dich mit Sergey Iwanowitsch zu beschäftigen — wenn du willst — geh' doch jetzt zu ihm. Es ist so wie so hier bei der Wanne stets sehr heiß und dunstig.“
19.
Nachdem Lewin die Kinderstube verlassen hatte und allein war, fiel ihm sogleich jener Gedanke wieder ein, in dem ihm etwas unklar geblieben war.