„Sieh nach, was man will. Wer die Dame ist,“ sagte Kapitonitsch, noch nicht angekleidet, im Überrock und Kaloschen, indem er durch das Fenster nach der Dame blickte, die von einem Schleier bedeckt, dicht vor der Thür stand. Der Gehilfe des Portiers, ein Anna nicht bekannter, junger Bursch, hatte dieser nicht sobald die Thür geöffnet, als sie schon in dieselbe hineintrat, ein Dreirubelpapier aus dem Muff nahm und es ihm in die Hand drückte.

„Sergey — Sergey Aleksandrowitsch,“ sprach sie und wollte voranschreiten. Der Gehilfe des Portiers besah das Rubelpapier, hielt sie aber an der zweiten Glasthür fest.

„Was wollt Ihr?“ frug er.

Sie hörte weder seine Worte, noch antwortete sie etwas.

Als Kapitonitsch die Verwirrung der Unbekannten bemerkte, kam er selbst zu ihr, ließ sie in die Thür herein und frug, was ihr gefällig wäre.

„Vom Fürsten Skorodumoff komme ich und will zu Sergey Aleksandrowitsch,“ sprach sie.

„Der junge Herr ist noch nicht aufgestanden,“ antwortete der Portier, sie aufmerksam betrachtend.

Anna hatte durchaus nicht erwartet, daß das vollständig unverändert gebliebene Äußere des Vorzimmers dieses Hauses, in welchem sie neun Jahre gelebt hatte, so mächtig auf sie einwirken würde. Eine nach der anderen, erhoben sich frohe und trübe Erinnerungen in ihrer Seele und für einen Augenblick hatte sie vergessen, weshalb sie hier war.

„Wollt Ihr gefälligst warten?“ sagte Kapitonitsch, ihr den Pelz abnehmend. Nachdem er den Pelz abgenommen hatte, blickte er ihr ins Gesicht, erkannte sie und machte schweigend eine tiefe Verbeugung. „Bitte gefälligst, gnädigste Frau,“ sagte er zu ihr.

Sie wollte etwas erwidern, doch versagte ihr die Stimme, so daß sie keinen Ton hervorzubringen vermochte. Wie schuldbewußt bittend, blickte sie den Alten an, und stieg dann mit schnellen Schritten die Treppe hinauf. Ganz vorgebeugt und mit den Kaloschen an den Stufen hängen bleibend, lief Kapitonitsch ihr nach im Bemühen, ihr zuvorzukommen.