An der anderen Thür wurden Schritte vernehmbar, und entsetzt flüsterte ihr die Amme zu „er kommt“ und reichte Anna den Hut.

Sergey ließ sich auf sein Bett sinken und begann zu schluchzen, das Gesicht mit den Händen bedeckend. Anna nahm diese Hände weg, küßte ihm noch einmal das bethaute Antlitz und ging schnellen Schrittes zur Thür hinaus.

Aleksey Aleksandrowitsch trat ihr in den Weg. Als er sie erblickt hatte, blieb er stehen und beugte den Kopf.

Ungeachtet dessen, daß sie soeben erst gesagt hatte, er sei besser und edler als sie, erfaßten sie bei dem schnellen Blick, den sie auf ihn warf, seine ganze Erscheinung mit allen ihren Einzelheiten umfangend, die Gefühle des Widerwillens gegen ihn; der Wut und des Neides um den Sohn. Mit schneller Bewegung ließ sie den Schleier fallen, und eilte fast, ihren Schritt verdoppelnd, aus dem Zimmer.

Sie war nicht dazu gekommen, die Geschenke herauszunehmen, die sie mit so großer Liebe und so großem Schmerz gestern im Laden gekauft hatte, und brachte sie wieder mit nach Hause.

31.

So sehr wie Anna auch ein Wiedersehen mit ihrem Sohne gewünscht hatte, so lange sie auch nur hieran gedacht, sich nur hierauf vorbereitet hatte, so hatte sie doch keineswegs erwartet, daß dieses Wiedersehen eine so mächtige Wirkung auf sie ausüben würde.

Zurückgekehrt in ihre einsamen Appartements im Hotel, konnte sie lange nicht fassen, warum sie eigentlich hier sei.

„Ja; das ist alles vorüber und ich bin wieder allein,“ sagte sie zu sich und setzte sich, ohne den Hut abzulegen, auf einen am Kamin stehenden Sessel. Mit unbeweglichen Augen auf die Bronzeuhr blickend, welche auf dem Tische zwischen den Fenstern stand, begann sie zu sinnen.

Die französische Zofe, die mit aus dem Auslande gebracht worden war, trat ein, um sie anzukleiden. Verwundert blickte sie dieselbe an und sagte nur „später“. Der Lakai brachte den Kaffee; sie sagte nur „später“. Die italienische Amme, die das kleine Mädchen geputzt hatte, trat mit demselben ein und brachte es Anna. Das dicke, wohlgenährte Kind hob, wie stets, wenn es die Mutter sah, die nackten mit Bändern umspannten Händchen, die Handflächen nach unten, und begann, mit dem noch zahnlosen Mündchen lächelnd, wie ein Fisch an der Angel mit den Händchen zu arbeiten, und mit ihnen an den gesteiften Falten des gestickten Jäckchens zu scheuern.