Nikolai. Wenn du für deine Freunde stirbst, so ist das schön für dich wie für sie. Freilich ist der Mensch nicht nur Geist, sondern Geist im Fleische. Das Fleisch aber, der Körper, trachtet danach, für sich zu leben, während der aufgeklärte Geist für Gott, für andere lebt. Unser aller Leben ist kein tierisches, sondern es liegt auf der Mittellinie, und je näher es dem göttlichen kommt, um so besser ist es. Deswegen müssen wir möglichst nach Gott trachten; der Leib sorgt schon für sich selbst.
Stefan. Wozu denn aber die Mittellinie? Wenn schon solches Leben gut ist, muß man eben alles hingeben und sterben.
Nikolai. Gewiß; das ist sehr schön. Bemüh dich, trachte danach, so wird dir wohl sein und andern.
Alexandra. Nein, das ist unklar, durchaus nicht einfach, sondern an den Haaren herbeigezogen.
Nikolai. Was soll ich dazu sagen. Mit Worten läßt sich das nicht erklären. Übrigens – genug davon.
Stefan. Ja, wirklich genug. Ich verstehe es auch nicht. (Er geht ab.)
Fünfzehnter Auftritt.
Die Vorigen ohne Stefan.
Nikolai (zum Priester). Also, welchen Eindruck hat das Buch auf Sie gemacht?
Priester (erregt). Wie soll ich sagen: die historische Seite ist genügend berücksichtigt, aber ganz zuverlässig, völlig überzeugend wirkt das Ganze nicht, weil das Material nicht genügt. Die Göttlichkeit oder Nichtgöttlichkeit Christi kann man historisch nicht beweisen; es gibt nur einen unwiderleglichen Beweis …