Nikolai. Übrigens lege ich darauf nicht viel Wert. Für mich ist wichtig, zu wissen, daß ich an Stelle der Bauern genau so gehandelt hätte und verzweifeln würde, wenn man mich dafür ins Gefängnis würfe. Da ich nun gegen andere so handeln muß, wie ich selbst behandelt werden möchte, kann ich sie unmöglich schuldig sprechen, sondern muß alles tun, was ich kann, um sie frei zu bekommen.
| Semjonowitsch. Wenn das richtig ist, darf man überhaupt nichts besitzen. Alexandra. Dann ist Stehlen weit vorteilhafter als Arbeiten. Stefan. Du gehst nie auf meine Argumente ein. Ich sage, wer Aufwendungen für einen Gegenstand macht, erwirkt dadurch ein Anrecht auf seine Benutzung. |
(Alle gleichzeitig.) |
Nikolai (lächelnd). Ich weiß nicht, wem ich zuerst antworten soll. (Zu Peter Semjonowitsch.) Man darf auch nichts besitzen.
Alexandra. Wenn man nichts besitzen darf, darf man auch keine Kleidung, kein Brot haben, sondern muß alles hingeben und darf überhaupt nicht leben.
Nikolai. Man darf auch nicht so leben wie wir jetzt.
Stefan. Das heißt, den Tod vorziehen. Folglich taugt diese Lehre nicht für das Leben.
Nikolai. Im Gegenteil: sie gilt nur für das Leben. Ja, man muß alles hingeben. Das heißt, nicht den Wald, den man nicht benutzt und niemals sieht, sondern Kleidung und Nahrung muß man hingeben.
Alexandra. Auch die der Kinder?
Nikolai. Auch die. Und nicht nur Kleidung und Nahrung muß man hingeben, sondern sich selbst. Darin besteht die ganze Lehre Christi. Alle Kraft muß man darauf verwenden, sich völlig hinzugeben.
Stefan. Das heißt mit anderen Worten: sterben.