Nikolai Iwanowitsch (kehrt ins Zimmer zurück).

Fünfter Auftritt.

Die Vorigen. Nikolai Iwanowitsch.

Nikolai. Ich wäre fast in mein Zimmer gegangen, ohne euch mitzuteilen, was ich empfinde. Und das halte ich nicht für gut. (Zu Tonja.) Wenn Sie, als Gast, durch meine Worte verletzt werden, so verzeihen Sie mir – aber ich kann nicht anders. Du, Ljuba, sagst, die Fürstin spiele wunderschön. Ihr sitzt hier mit sieben, acht gesunden jungen Leuten, habt bis zehn Uhr geschlafen, gegessen, getrunken, eßt noch jetzt, macht Musik und unterhaltet euch darüber. Dort aber, wo ich jetzt herkomme, sind die Menschen um drei Uhr aufgestanden – einige haben draußen beim Vieh die ganze Nacht nicht geschlafen – und nun sind alte, kranke, schwache Leute, Kinder, Frauen mit Säuglingen und schwangere Frauen ununterbrochen bei der schwersten, ihre Kräfte übersteigenden Arbeit, damit wir hier die Früchte ihres Schaffens verzehren. Ja, noch mehr: soeben wird einer von ihnen, der beste, einzige Arbeiter der Familie, ins Gefängnis geschleppt, weil er im Frühjahr in »meinem« Walde – das heißt angeblich meinem – eine der dort wachsenden hunderttausend Tannen gefällt hat. Wir aber sitzen hier sauber gewaschen und gekleidet, indem wir den Dienstboten das Reinigen des Nachtgeschirrs im Schlafzimmer überlassen, essen, trinken und unterhalten uns geistreich darüber, ob Schumann oder Chopin uns mehr ergreift und besser unsere Langeweile vertreibt. Diese Gedanken kamen mir, als ich an euch vorüberging, und deswegen habe ich sie euch gesagt. Denkt einmal nach, ob man solches Leben führen kann! (Er bleibt in heftiger Erregung stehen.)

Lisa. Das ist wahr, wirklich wahr.

Ljuba. Wenn man sich solche Gedanken macht, kann man nicht leben.

Stefan. Weshalb? Ich sehe nicht ein, warum man nicht über Schumann sprechen soll, wenn das Volk arm ist. Eins schließt das andere nicht aus. Wenn die Leute …

Nikolai (zornig). Wenn man kein Herz hat, wenn man sich so hölzern …

Stefan. Schon gut, ich schweige schon.

Tonja. Eine schreckliche Frage, die Frage unserer Zeit. Man darf sich aber nicht vor ihr fürchten, muß der Wirklichkeit mutig ins Auge sehen, um die Frage zu lösen.