Fedja (nach anfänglichem Schweigen): Ach, Herr Untersuchungsrichter, daß Sie sich nicht schämen! Warum stöbern Sie in einem fremden Leben herum? Sie freuen sich darüber, daß Sie die Macht haben, und um diese Macht zu beweisen, martern Sie, wenn auch nicht physisch, so doch seelisch, Leute, die tausendmal besser sind als Sie.
Der Untersuchungsrichter: Ich ersuche Sie ...
Fedja: Da ist nichts zu ersuchen. Ich sage alles, was ich denke. (Zum Protokollführer:) Schreiben Sie es nur nieder! Wenigstens werden auf diese Art zum erstenmal in einem Protokolle vernünftige menschliche Gedanken stehen. (Dann mit erhobener Stimme:) Da waren drei Menschen: ich, er und sie. Unter uns bestanden komplizierte Beziehungen; es war ein Kampf des Guten mit dem Bösen, ein seelischer Kampf, von dem Sie keinen Begriff haben. Dieser Kampf endete mit einer bestimmten Situation, die alle Schwierigkeiten löste. Alle Beteiligten kamen zur Ruhe. Jene beiden waren glücklich und bewahrten mir ein freundliches Andenken. Und auch ich war trotz meines tiefen Falles glücklich darüber, daß ich meine Pflicht getan hatte, daß ich unnützer Mensch aus dem Leben gegangen war, um nicht zwei andern, braven, lebensfrischen Menschen im Wege zu sein. Und wir waren alle drei am Leben geblieben. Auf einmal erschien ein Taugenichts, ein Erpresser, der von mir verlangte, ich solle mich an der von ihm geplanten Erpressung beteiligen. Ich wies ihn von mir. Er ging zu Ihnen, dem Kämpfer für das Recht, dem Hüter der Moral. Und Sie, der Sie an jedem Zwanzigsten des Monats Ihr Gehalt für die Gemeinheiten erhalten, die Sie verüben, Sie zogen sich Ihre Uniform an und tun sich nun leichten Herzens diesen beiden Menschen gegenüber wichtig, denen Sie nicht wert sind die Schuhriemen aufzulösen, und die Ihnen nicht einmal den Eintritt in ihr Vorzimmer gestatten würden. Aber Sie haben sich diese beiden Menschen vorgenommen und freuen sich ...
Der Untersuchungsrichter: Ich werde Sie hinausbringen lassen ...
Fedja: Ich fürchte mich vor niemand; denn ich bin ein Leichnam, und Sie können mir nichts antun; es gibt keine Lage, die schlimmer wäre als die meinige. Na, dann lassen Sie mich nur hinausbringen!
Karenin: Dürfen wir nun gehen?
Der Untersuchungsrichter: Sofort; ich bitte Sie nur, erst noch das Protokoll zu unterschreiben.
Fedja: Was würden Sie für eine komische Person sein, wenn Sie nicht so ekelhaft wären.
Der Untersuchungsrichter: Führen Sie ihn ab! Ich verhafte Sie.
Fedja (zu Karenin und Lisa): Also verzeiht mir!