Lisa: Ich habe Sie deswegen gebeten, weil ich weiß, daß Sie ihm zugetan sind.
Karenin: Sowohl ihm als auch Ihnen. Das wissen Sie. Ich bin ihm nicht um seinetwillen zugetan, sondern um Ihretwillen. Und ich bin Ihnen dankbar für das Vertrauen, das Sie mir schenken. Ich werde tun, was ich kann.
Lisa: Das weiß ich. Ich werde Ihnen alles sagen: ich bin heute bei Afremow gewesen, um zu erfahren, wo er sich jetzt aufhält. Es wurde mir gesagt, er habe sich zu den Zigeunern begeben. Und gerade das ist es, was ich fürchte. Diese Verlockung fürchte ich. Ich weiß, daß, wenn man ihn nicht rechtzeitig zurückhält, er sich verlocken und hinreißen läßt. Darum muß das geschehen. Also Sie werden hinfahren?
Karenin: Selbstverständlich, sofort.
Lisa: Fahren Sie hin, machen Sie ihn ausfindig, und sagen Sie ihm, daß alles vergessen ist und ich ihn erwarte.
Karenin (steht auf): Aber wo soll ich ihn suchen?
Lisa: Er ist bei den Zigeunern. Ich bin selbst dort gewesen. Ich war an der Haustür und wollte ihm den Brief hineinschicken; aber dann besann ich mich anders und beschloß, Sie zu bitten ... Hier ist die Adresse. Sagen Sie ihm also, er möchte zurückkehren; es sei nichts geschehen; alles sei vergessen. Tun Sie das aus Liebe zu ihm und aus Freundschaft gegen uns.
Karenin: Ich werde alles tun, was ich kann. (Er verbeugt sich und geht hinaus.)
Zwölfter Auftritt
Lisa allein.