Fedja: Meine Beziehungen zu meiner Frau (ich kann sagen: zu meiner ehemaligen Frau) sind vollständig gelöst.
Fürst Abreskow: So habe auch ich die Sache aufgefaßt. Und nur deswegen habe ich diese schwierige Mission übernommen.
Fedja: Diese Beziehungen sind gelöst, und ich beeile mich, die Erklärung abzugeben, daß dies nicht durch ihre, sondern durch meine Schuld geschehen ist, einzig und allein durch meine Schuld. Sie selbst war eine makellose Frau und ist das auch geblieben.
Fürst Abreskow: Und nun, sehen Sie, hat mich Viktor Karenin sowie ganz besonders seine Mutter gebeten, Sie nach Ihren weiteren Absichten zu befragen.
Fedja (hitzig werdend): Was meinen Sie für weitere Absichten? Ich habe keine solchen. Ich lasse ihr völlige Freiheit. Ja, noch mehr: ich werde ihre Ruhe niemals stören. Ich weiß, daß sie Viktor Karenin liebt. Mag sie das tun! Ich halte ihn für einen sehr langweiligen, aber sehr braven, ehrenhaften Menschen und glaube, daß sie mit ihm, wie man sich gewöhnlich ausdrückt, glücklich werden wird. Und que le bon Dieu les bénisse! Weiter habe ich nichts zu sagen.
Fürst Abreskow: Ja, aber wir würden gern ...
Fedja (unterbricht ihn): Und glauben Sie nicht, daß ich auch nur im geringsten eifersüchtig wäre. Wenn ich von Viktor gesagt habe, er sei langweilig, so nehme ich diesen Ausdruck zurück. Er ist ein vortrefflicher, ehrenhafter, sittlich guter Mensch, beinah das reine Gegenteil von mir. Und er hat sie von der Kinderzeit her geliebt. Vielleicht hat auch sie ihn schon damals geliebt, als sie mich heiratete. So etwas kommt vor. Die beste Liebe pflegt diejenige zu sein, von der man selbst nichts weiß. Ich glaube, sie hat ihn immer geliebt, hat aber als ehrenhafte Frau dies nicht einmal sich selbst eingestehen mögen. Aber das ... es lag eine Art von Schatten auf unserm Eheleben ... indessen wozu mache ich Ihnen solche Geständnisse?
Fürst Abreskow: Bitte, fahren Sie fort! Sie können mir glauben, daß mich zu diesem Besuche bei Ihnen in erster Linie der Wunsch veranlaßt hat, in diese Beziehungen einen vollständigen Einblick zu gewinnen. Ich verstehe Sie; ich verstehe, daß ein solcher Schatten, wie Sie sich so treffend ausdrückten, vorhanden sein konnte ...
Fedja: Ja, er war vorhanden, und vielleicht war das der Grund, weswegen das Familienleben, das sie mir gewährte, mich nicht befriedigen konnte, so daß ich anderwärts umhersuchte und auf Abwege geriet. Aber das klingt fast, als versuchte ich, mich zu rechtfertigen. Das liegt nicht in meiner Absicht, und das kann ich auch nicht. Ich bin ein schlechter Ehemann gewesen, das sage ich ganz offen; ich bin es gewesen, denn jetzt bin ich in meinem Bewußtsein schon längst kein Ehemann mehr. Ich betrachte sie als vollständig frei. Also da haben Sie die Antwort auf Ihre Mission.