Fürst Abreskow: Ja, aber Sie kennen Viktors Familie und ihn selbst. In seinen Beziehungen zu Jelisaweta Andrejewna hat er immer eine respektvolle Entfernung innegehalten und tut das auch jetzt. Er hat ihr beigestanden, als sie sich in schwieriger Lage befand.

Fedja: Ja, ich habe durch meinen liederlichen Lebenswandel zu der gegenseitigen Annäherung der beiden mitgewirkt. Was ist zu machen? Es hat wohl so sein sollen.

Fürst Abreskow: Sie kennen seine und seiner Familie streng rechtgläubigen Anschauungen. Ich teile diese Anschauungen nicht. Ich betrachte die Dinge von einem freieren Standpunkte aus. Aber ich achte diese Anschauungen und habe für sie Verständnis. Ich verstehe, daß für ihn und ganz besonders für seine Mutter ein nahes Verhältnis zu einer Frau ohne kirchliche Eheschließung undenkbar ist.

Fedja: Ja, ich kenne seine dum ... seine schlichte, konservative Denkungsart in dieser Hinsicht. Aber was wollen die beiden? Die Scheidung? Ich habe ihnen schon längst gesagt, daß ich bereit bin darein zu willigen, daß aber, wenn ich die Schuld auf mich nehmen und mich der ganzen damit verbundenen Lügerei unterziehen soll, das doch eine sehr schwere Bedingung ist.

Fürst Abreskow: Ich verstehe Sie vollkommen und teile Ihre Anschauung. Aber was soll geschehen? Ich meine, es wird sich doch in dieser Weise ein Arrangement finden lassen ... Übrigens haben Sie recht. Das ist furchtbar, und ich verstehe Sie.

Fedja (drückt ihm die Hand): Ich danke Ihnen, lieber Fürst. Ich habe Sie immer als einen ehrenhaften, guten Menschen gekannt. Nun, sagen Sie also, wie soll ich mich verhalten? Was soll ich tun? Versetzen Sie sich ganz in meine Lage! Ich suche mich nicht besser zu machen, als ich bin. Ich bin ein Taugenichts. Aber es gibt Dinge, die ich nicht ruhigen Herzens tun kann. Ich kann nicht ruhigen Herzens lügen.

Fürst Abreskow: Aber eines ist mir an Ihnen unverständlich: Sie sind ein so wohlbefähigter, kluger Mensch mit einem so feinen Gefühle für das Gute: wie konnten Sie so auf Abwege geraten und dermaßen all die Anforderungen vergessen, die Sie selbst an sich stellen? Wie sind Sie so weit gekommen? Wie haben Sie es fertiggebracht, Ihr eigenes Leben zu zerstören?

Fedja (unterdrückt die Tränen, die ihm die Erregung in die Augen treibt): Jetzt führe ich mein Lotterleben schon zehn Jahre lang, und zum ersten Male hat mich ein Mann wie Sie bemitleidet. Meine Kumpane und die Weiber haben mich bedauert; aber ein verständiger, guter Mann wie Sie hat das niemals getan. Ich danke Ihnen. Wie ich dazu gekommen bin, mich ins Verderben zu stürzen? Da ist erstens der Wein. Nicht, daß ich so besonders viel Geschmack an ihm fände. Aber ich mag tun, was ich will, immer habe ich die Empfindung, daß es nicht das Richtige ist, und dann schäme ich mich. Da rede ich jetzt gerade mit Ihnen und schäme mich. Wenn ich Adelsmarschall war, wenn ich Hasard spielte, da schämte ich mich, schämte mich gewaltig. Und nur wenn ich trinke, hört dieses Schamgefühl auf. Und dann die Musik ... ich meine nicht Opern und Beethoven, sondern die Zigeunermusik — da durchströmt einen ein solches Leben, eine solche Energie! Und dazu noch freundliche schwarze Augen und ein heiteres Lächeln. Und je mehr man sich davon hinreißen läßt, um so mehr schämt man sich nachher.

Fürst Abreskow: Nun, aber die Arbeit?

Fedja: Auch damit habe ich es versucht. Aber es war alles nicht das Richtige; mit allem war ich unzufrieden. Aber wozu rede ich da von mir selbst? Ich danke Ihnen.