Wenn wir heute reisen, gibt es keine Schule mehr, das ist famos, dachte ich. Aber der arme Karl Iwanowitsch tat mir leid; der wurde sicher entlassen, weil man das Kuvert für ihn zurechtgemacht … Dann schon lieber immer lernen, nicht fortreisen, sich nicht von Mama trennen und dem armen Karl Iwanowitsch nicht weh tun, der schon so sehr unglücklich ist.

Diese Gedanken zogen mir durch den Sinn. Ich rührte mich nicht von der Stelle und starrte unverwandt auf die schwarzen Schleifen an meinen Schuhen.

Nachdem Papa mit Karl Iwanowitsch noch einige Worte über das Fallen des Barometers gewechselt und Jakob befohlen hatte, die Hunde nicht zu füttern, weil er zum Abschied nach Tisch die jungen Treibhunde probieren wollte, schickte er uns wider Erwarten zum Unterricht. Allerdings bekamen wir den Trost mit auf den Weg, daß wir nach Tisch mit auf die Jagd genommen würden.

Traurig und zerstreut gingen wir nach oben zum Lernen in Begleitung unseres noch mehr zerstreuten und traurigen Mentors Karl Iwanowitsch, der seine Entlassung erwartete.

Unterwegs lief ich auf die Veranda. Dicht an der Tür lag mit zugekniffenen Augen in der Sonne, wie ein Hase im Lager, Papas Lieblingswindhund Milka.

»Milkachen,« sagte ich, den Hund streichelnd und auf die Schnauze küssend, »wir reisen heute, leb wohl, wir sehen uns nie wieder.«

Wahrscheinlich gefiel der Hündin mein tränenfeuchtes Gesicht nicht, oder sie war nicht bei Laune; jedenfalls brüllte sie mich an, stand auf, ging beiseite und legte sich faul an einer anderen Stelle nieder.

»Was bin ich für ein unglücklicher Junge,« sagte ich und rannte Hals über Kopf nach oben.

4. Was mein Vater für ein Mann war.

Er war groß und stattlich von Wuchs, machte auffallend kleine Schritte, hatte die Gewohnheit mit der Achsel zu zucken, besaß kleine, stets leuchtende Augen, eine große Adlernase, ungleichmäßige Lippen, die er ungeschickt, aber zu einem angenehmen Ausdruck zusammenlegte. Eine große, fast über den ganzen Kopf reichende Glatze, mangelhafte Aussprache und Lispeln vervollständigten das Äußere meines Vaters, seitdem ich ihn kenne, ein Äußeres, mit dem er aller Welt zu gefallen und als homme à bonne fortune bekannt zu werden wußte. Daß er dem weiblichen Geschlecht gefiel, verstehe ich, weil ich weiß, wie unternehmend und sinnlich er veranlagt war; aber welches Zaubermittel besaß er, um Leuten jeden Alters, Standes und Charakters, Greisen, Jünglingen, Berühmten, Einfachen, Männern der Welt, Gelehrten und besonders denen zu gefallen, auf die er es abgesehen hatte?