Wer jemals auf dem Lande gelebt, wird wissen, wieviel Unannehmlichkeiten durch ihre Ränke und Streitereien die Nachbarn, durch Geschwätz die Gutsbesitzer desselben Kreises, und durch Händel und Schikanen die Behörden bereiten, wie sie einen bis aufs Blut peinigen und das ganze Leben verbittern können.
Um all diesen Nachstellungen zu entgehen, die unausbleiblich jeden Gutsbesitzer überraschen, gibt es drei Methoden. Die erste Pflicht besteht darin, in jeder Beziehung korrekt seine Pflichten als Gutsbesitzer zu erfüllen und die Rechte eines solchen zu genießen. Diese erste und einfachste, vernünftige Art besteht leider vorläufig nur in der Theorie, weil man unmöglich mit Leuten gesetzmäßig verfahren kann, die das Gesetz als Mittel benutzen, ungestraft Gesetzwidrigkeiten begehen zu können. Die zweite Methode besteht in der Bekanntschaft und Freundschaft nicht nur mit den Vertretern der Bezirks- und Gouvernementsbehörden, sondern auch mit allen Gutsbesitzern, mit denen uns das Schicksal in Berührung bringt, oder die unsere Bekanntschaft wünschen, sowie in gütlicher Beilegung aller entstehenden Streitigkeiten. Diese Art ist wenig zu empfehlen, weil erstens ein freundschaftlicher Verkehr mit dem ganzen Bezirk an und für sich schon eine Unannehmlichkeit bedeutet, nicht geringer als die, die man vermeiden wollte, und zweitens, weil es für Ungeübte schwer ist, unter Vermeidung aller üblen Nachrede und Bosheit inmitten all der Feindseligkeiten, Ungesetzlichkeiten und Gemeinheiten des Gouvernementslebens seinen Standpunkt zu bewahren, nichts zu vergessen, niemanden zu ignorieren, so daß alle ohne Ausnahme mit uns zufrieden sind. Wehe, wenn wir uns auch nur einen Feind erworben haben! Jeder Schmutzfink, der heute noch demütig an unserer Schwelle steht, kann uns morgen die größten Unannehmlichkeiten bereiten.
Die dritte Methode besteht darin, zu niemandem Beziehungen zu unterhalten und dafür Tribut zu zahlen. Der wird in zwiefacher Form entrichtet: als Ergebenheit und Leutseligkeit. Mit Ergebenheit zahlen Leute, die die dritte Methode erwählt haben, aber nicht imstande sind, der Willkür der Behörde zu begegnen. Mit Leutseligkeit zahlen Leute, die Beziehungen zu den höchsten Gouvernementsbehörden haben, aus Gründen der Sicherheit und Gewohnheit aber auf jene Steuer nicht verzichten.
Es gibt noch eine Art, die sehr im Schwange ist, die ich aber wegen ihrer Ungesetzmäßigkeit nur als Ausnahme erwähnen will. Sie besteht darin, sich im Gouvernement oder Kreis den Ruf eines gefährlichen Schikaneurs und Intriganten zu verschaffen.
Papa hielt es in bezug auf die Behörde und die Nachbarn mit der dritten Art, das heißt er war mit niemandem näher bekannt und zahlte den Tribut der Leutseligkeit. Obgleich er nicht häufig in die Gouvernementsstadt fuhr, wußte er es so einzurichten, daß wenigstens einmal im Jahre alle großen Tiere: der Gouverneur, der Adelsmarschall und der Staatsanwalt nach Petrowskoie kamen.
Natürlich erzählte dann Jakob Michailow bei seinem nächsten Aufenthalt in der Stadt dem Isprawnik und anderen umständlich, wie Seine Exzellenz bei uns übernachtet, und diese und jene Bemerkung fallen gelassen hätten, und die Folge war, daß weder Isprawnik noch Stanowoi die Nase nach Petrowskoie hineinsteckten, sondern ruhig den Leutseligkeitstribut abwarteten.
Wenn die Behörde in irgendeiner unbedingt notwendigen Angelegenheit dennoch nach Petrowskoie kam, ließ Papa sie durch Jakob empfangen; und wenn er wirklich selbst jemanden begrüßte, so geschah es so kalt, daß Mama oft zu ihm sagte: »Genierst du dich nicht, mon cher, die Leute so zu behandeln?«
Darauf erwiderte Papa: »Du weißt nicht, Liebe, was das für Leute sind; gib ihnen soviel –« dabei zeigte er den kleinen Finger – »so nehmen sie soviel,« dabei zeigte er den Arm bis zur Schulter.
Ebenso war der Verkehr mit den Nachbarn von der Höhe stolzer Erhabenheit herab.
Man darf ihm wegen solchen Verhaltens keine Vorwürfe machen; zu seiner Zeit, das heißt anderhalb Jahrzehnte zurück, war es das einzige Mittel, um auf dem Lande Ruhe zu haben. Jetzt hat sich das alles geändert und ist viel besser geworden. Ein Gutsbesitzer, den ich danach fragte, antwortete mir: »Ach, lieber Freund, Sie kennen unsere jetzigen Kreis- und Landrichter nicht. Diese Ordnung, Sauberkeit, Bescheidenheit, Klugheit. Der unterste Schreiber hat seinen Frack. Kommt man zum Isprawnik, so sieht man seine Frau in modernster Toilette; sie ist eine höchst gebildete Dame, spricht Französisch, Italienisch, Spanisch – was Sie wollen. Die Töchter sind höchst musikalisch: Piano – wird zum Flügel, Fußboden – Parkett. Oder, was noch besser, wir haben in unserem Bezirk zwei Stanowois; der eine kommt von der Moskauer Universität, der andere ist mit der Fürstin Schedrischpanskaja verheiratet – der reine Pariser! Sehen Sie, verehrter Herr, so sieht jetzt unsere Semstwopolizei aus.«