Giran blieb fortwährend stehen, spitzte die Ohren und horchte. Da meine Kräfte nicht reichten, ihn vorwärts zu ziehen, wählte ich eine List und schrie: »Faß ihn, faß ihn!« Dann konnte ich ihn wieder kaum halten und fiel mehrmals hin, bis ich meinen Platz erreichte.
Endlich ließ ich mich im Grase nieder, Giran neben mir, und wartete.
Meine Phantasie eilte der Wirklichkeit weit vorauf. Ich bildete mir ein, schon zwei Hasen gehetzt zu haben und war jetzt mit einem Fuchs beschäftigt – da gab zuerst ein Jagdhund Laut. Bei diesem Geräusch erstarrte ich auf der Stelle. Die Augen in die Weite gerichtet, lächelte ich sinnlos. Mir war, als ob dieser Augenblick über mein ganzes Leben entschiede. Der Schweiß floß in Strömen; die Tropfen rannen das Kinn entlang und kitzelten – ich wischte sie nicht ab. Diese Spannung war so unnatürlich, daß sie nicht lange dauern konnte. Die Hunde hetzten, kein Hase war zu sehen. Ich schaute nach rechts und links.
Mit Giran war genau dasselbe der Fall. Anfangs wollte er sich losreißen und winselte sogar; dann streckte er sich neben mir aus, legte die Schnauze auf meine Knie und beruhigte sich.
Rechts neben mir war ein Ameisenhaufen; in seiner Nähe schleppte eine Ameise einen riesigen Strohhalm, und obgleich dieser unaufhörlich an den Unebenheiten des Weges hängenblieb, bewegte sie ihn doch, bald an dieser, bald an jener Seite zerrend, zwar langsam aber beständig näher an den Haufen heran. Ich legte den Kopf in die Hand und sah mit großer Aufmerksamkeit zu.
Ein weißer Schmetterling mit gelben Flügelspitzen schwebte über einer wilden Kleeblüte und ließ sich darauf nieder. Ich weiß nicht, ob er den Saft aus der Blüte sog oder sich in der Sonne wärmte – jedenfalls mußte es ihm dort sehr gut gefallen. Er bewegte bisweilen die Flügel und blieb dann unbeweglich sitzen.
Plötzlich heulte Giran auf und stürmte mit solcher Kraft vorwärts, daß ich fast hingefallen wäre. Ich sah mich um und erblickte am Waldsaum einen Hasen, der, den einen Löffel angedrückt und den anderen gespitzt, leicht im hohen Grase dahinsprang. Im selben Moment vergaß ich alles, sogar Papas Rat, an mich zu halten; ich ließ den Hund los und schrie unnatürlich auf. Aber kaum war das geschehen, so überkam mich Reue: der Hase duckte sich, machte einen Satz und ward nicht mehr gesehen.
Wie groß war aber meine Scham, als hinter den Jagdhunden, die laut bellend am Waldrande hervorbrachen, der Türke erschien. Er sah sofort, was ich angerichtet hatte und sagte nur: »Ach Herr!« Aber wie er das sagte! Mir wäre leichter gewesen, wenn er mir wie einem Hasen die Läufe abgeschnitten und mich an den Sattel gehängt hätte.
Lange stand ich verzweifelt auf demselben Fleck, rief nicht einmal die Hunde, sondern schrie nur fortwährend mit ausdrucksvollen Gebärden: »Mein Gott, was habe ich getan!«