Die Ernte war in vollem Gange. Das unübersehbare glänzend gelbe Feld wurde nur auf einer Seite von einem bläulich schimmernden Hochwald begrenzt, der mir als die entfernteste geheimnisvollste Gegend vorkam, hinter welcher entweder die Welt ein Ende hatte oder unbewohnte Länder lagen. Das ganze Feld war mit Garben und Menschen bedeckt. In dem hohen dichten Roggen sah man hier und da auf dem gemähten Streifen den krummen Rücken einer Schnitterin; schwingende Ähren, wenn sie dieselben herüberwarf; ein Weib, das sich im Schatten über eine Wiege beugte, und zerstreute Garben auf dem mit Kornblumen besäten Stoppelfeld. Auf der anderen Seite luden Männer, in Hemd und Hose auf Wagen stehend, die Garben auf und wirbelten Staub über das trockene, heiße Feld. Der Aufseher in hohen Stiefeln und übergehängtem Rock, den Kerbstock in der Hand, hatte Papa schon von weitem bemerkt, nahm seinen Filzhut ab, wischte seinen roten Kopf und Bart mit einem Tuch ab und schrie die Weiber an. Der kleine Fuchs, den Papa ritt, ging spielend leicht, bisweilen den Kopf gegen die Brust werfend und die Zügel straff ziehend, oder mit dem dichten Schweif die Fliegen und Bremsen verscheuchend, die sich gierig an ihm festsetzten. Zwei Windhunde tänzelten mit sichelförmig nach oben gebogener Rute, die Beine hoch aufhebend, graziös über die hohen Stoppeln, hinter dem Pferde. Milka lief vorauf und erwartete mit erhobenem Kopf einen Leckerbissen. Die Stimmen der Menschen, der Lärm der Pferde und Wagen, das lustige Schlagen der Wachteln, das Gesumme der Insekten, die in unbeweglichen Schwärmen die Luft erfüllten, der Geruch von Wermut, Stroh und Pferdeschweiß, die tausend verschiedenen Farben und Schattierungen, die die sengende Sonne über das hellgelbe Stoppelfeld, die blaue Waldferne und die hellvioletten Wolken ergoß; die weißen Sommerfäden, die in der Luft schwebten, oder sich auf die Stoppeln legten – alles das sah, hörte und fühlte ich.

Beim Kalinowoer Wald angelangt, fanden wir den Jagdwagen schon vor, und wider Erwarten noch einen Einspänner, in dem der Küchenchef saß und einen Gegenstand in einer Serviette zwischen den Beinen hielt; aus dem Heu guckten ein Samowar und noch allerhand verlockende Dinge hervor. Kein Zweifel: das gab einen Teeabend im Freien mit Gefrorenem und Früchten. Bei diesem Anblick brachen wir in lauten Jubel aus, denn Tee im Freien, an einer Stelle, wo noch niemand getrunken, hielten wir für einen Hochgenuß.

Der Türke stieg vom Pferde und nahm Papas ausführliche Anordnungen entgegen: wie man sich verteilen und wo man herauskommen sollte (übrigens richtete er sich niemals nach diesen Befehlen, sondern handelte nach seinem Gutdünken), koppelte die Hunde los, legte gemächlich die Koppeln zusammen, bestieg sein Pferd und verschwand, leise pfeifend, hinter den jungen Birken. Die befreiten Jagdhunde bezeigten vor allen Dingen ihre Freude durch Schweifwedeln, schüttelten sich und verrichteten an unbekannt aus welchem Grunde ausgewählten Büschen das Werk und mehr als das, was Soldaten tun, wenn es heißt: »Austreten!« Dann machten sie sich mit lustigem Schweifwedeln schnüffelnd an die Arbeit.

»Hast du ein Taschentuch?« fragte Papa.

Ich zog es aus der Tasche und zeigte es ihm.

»Schön; bind den grauen Hund daran.«

»Giran?« fragte ich.

»Ja, und lauf den Weg entlang. Wenn du an die Lichtung kommst, bleib stehen. Und sieh zu, daß du nicht ohne Hasen zurückkommst.«

Ich schlang das Tuch um Girans Hals und stürmte Hals über Kopf an die bezeichnete Stelle. Papa lachte und rief mir nach: »Schnell schnell, du kommst zu spät!«