»Dann kann man ja lieber zu Hause bleiben, wenn niemand spielen will,« brachte Ljubotschka unter Tränen heraus. Sie war eine schreckliche Heulliese.
»Also kommt; nur bitte, nicht weinen; das kann ich nicht ausstehen.«
Wolodjas gnädige Herablassung machte uns wenig Vergnügen. Sein faules und langweiliges Benehmen nahm dem Spiel den Reiz. Als wir auf der Erde saßen und auf den Fischfang fuhren, wobei wir aus Leibeskräften ruderten, saß Wolodja mit gekreuzten Armen in einer Haltung da, die mit der eines Fischers nicht die geringste Ähnlichkeit hat. Ich sagte ihm das, aber er erwiderte, daß wir durch unser stärkeres oder schwächeres Armschwenken nichts profitierten und nicht im geringsten vorwärts kämen. Darin mußte ich ihm unwillkürlich recht geben. Als ich mit einem Stock auf der Schulter dem Walde zuschritt und sagte, ich ginge jetzt auf die Jagd, legte Wolodja sich auf den Rücken, schlang die Hände um den Hinterkopf und sagte, er ginge jetzt auch auf die Jagd.
Dieses Benehmen und solche Worte kühlten unseren Spieleifer merklich ab, besonders, da wir im Grunde unseres Herzens Wolodjas Worte für ganz vernünftig erklären mußten.
Ich weiß selbst, daß man mit einem Stocke keinen Vogel töten und nicht schießen kann. Es ist Spiel. Wenn man so denkt, kann man auch auf Stühlen nicht fahren; ich denke aber, Wolodja weiß noch recht gut, wie wir an langen Winterabenden einen Sessel mit Tüchern bedeckten und einen Wagen daraus machten – einer war Kutscher, der andere Lakai, die Mädchen kamen in die Mitte; drei Stühle bildeten die Troika und dann ging's los. Und was für mannigfache Zwischenfälle passierten auf dieser Fahrt, und wie schnell und fröhlich vergingen die Winterabende! …
Wenn man alles genau nimmt, gibt es gar kein Spiel. Wenn das aber fehlt, was bleibt dann?!
10. Etwas wie eine erste Liebe.
Als Ljubotschka im Spiel von einem Baum amerikanische Früchte pflückte, riß sie ein Blatt mit einer großen grünen Raupe ab. Erschreckt schleuderte sie es auf den Boden und schnitt dabei eine komische Grimasse; hob die Hände hoch und sprang beiseite, als fürchtete sie, mit etwas bespritzt zu werden. Das Spiel hörte auf und wir bückten uns alle und steckten die Köpfe zusammen, um dieses Wundertier zu betrachten. Katja war so mutig, die Raupe aufzuheben, schob ihr einen trockenen Grashalm in den Weg und machte, um das besser zu können, eine Bewegung mit der Schulter, über die Mimi stets ärgerlich wurde und sagte: »C'est un mouvement de femme de chambre.«