Ljubotschka schluchzte noch immer, und dieses Schluchzen glich sehr einem Rülpsen. Aus den Augen flossen Tränen, aus der Nase Blut, aus dem Munde Speichel; beim Abwischen mit dem Taschentuch schmierte sie das alles über das ganze Gesicht. Die Füße setzte sie stets wie eine Gans; jetzt war ihr breitbeiniger Gang noch komischer – ich habe eine so klägliche und gleichzeitig lächerliche Gestalt nie wieder gesehen. Sogar Mama deutete beim Umblicken nach uns lächelnd auf Ljubotschka.

»Ihr könnt weiter spielen,« sagte sie zu uns.

Wolodja aber erwiderte, ohne Ljubotschka könnten wir unmöglich Hasen spielen, und so gingen wir alle ins Gastzimmer.

»Setz dich und ruh dich aus,« sagte Mama zu Ljubotschka und wischte ihr die Nase mit Essig und Wasser ab. »Weil du Dummheiten gemacht hast, stehst du nicht eher wieder auf, bis du die Lektion kannst, die Mimi dir aufgeben wird.«

Mimi gab der immer noch weinenden Ljubotschka eine Häkelnadel und eine fünf Ellen lange Aufgabe.

Gewöhnlich, wenn jemand von uns etwas ausgefressen hatte, wurden wir alle bestraft, indem man uns anempfahl, uns hinzusetzen und auszuruhen. Heute dagegen erlaubte Mama uns zu spielen, woraus ich schloß, daß heute der letzte Abend sei, wo wir zusammen wären, und Mama uns keinen Kummer machen wollte – als wenn sie uns Kummer machen könnte.

Jetzt kam Papa mit Karl Iwanowitsch aus dem Arbeitszimmer.

Karl Iwanowitsch ging nach oben, Papa aber kam mit heiterer Miene ins Gastzimmer, ging auf Mama zu, legte ihr die Hand auf die Schulter und sagte: »Weißt du, was ich soeben beschlossen habe?«

»Nun?«