Jetzt nahm er Abschied und sagte, er würde morgen früh weiterwandern. Ich blinzelte Wolodja zu und ging zur Tür.

»Was denn?«

»Wenn ihr Grischas Ketten sehen wollt, so kommt schnell ins Leutezimmer nach oben; Grischa schläft im zweiten Zimmer; wir können nebenan im Verschlag sitzen, da sehen wir alles.«

»Famos! Wart hier, ich will die Mädchen rufen.«

Die Mädchen kamen herausgelaufen und wir begaben uns nach oben. Da wurde zunächst gestritten, wer zuerst in das dunkle Loch gehen sollte; dann setzten wir uns und warteten.

13. Grischa.

Wenn es auch niemand zugab, so gruselte uns allen doch in der Dunkelheit, und wir rückten dicht nebeneinander. Nicht lange hatten wir gewartet, da trat Grischa mit seinem Stab in der einen und einem Talglicht im Messingleuchter in der anderen Hand leise ins Zimmer. Wir wagten kaum zu atmen.

Unaufhörlich betete Grischa: »Erbarme dich unser, Herr Jesus Christ, heil'ge Mutter Gottes« mit verschiedenen Betonungen und Abkürzungen, wie sie nur diejenigen gebrauchen, die die Worte häufig aussprechen. Unter Beten stellte er seinen Stab in die Ecke, besah das Bett und begann sich auszukleiden. Zunächst wickelte er seinen alten schwarzen Gürtel los und zog dann den zerrissenen langen Nangkingrock aus, faltete ihn zusammen und legte ihn über die Stuhllehne – alles das geschah mit Sorgfalt, langsam. Sein Gesicht sah jetzt nicht wie gewöhnlich zerfahren, unruhig und stumpfsinnig aus, sondern war im Gegenteil ruhig, achtunggebietend und nachdenklich.

Nur noch mit dem Hemd bekleidet, ließ er sich langsam auf das Bett nieder und zog, wie man sehen konnte, mit Anstrengung – denn er verzog das Gesicht dabei – die Ketten unter dem Hemde hoch. Nachdem er einen Augenblick gesessen hatte, stand er auf, hob unter Gebet das Licht bis zur Höhe des Heiligenschreins, in dem ein paar Bilder standen, bekreuzigte sich und kehrte das Licht mit der Flamme nach unten. Es verlosch knisternd.