Als ich Karl Iwanowitsch das Oberhemd brachte, hatte er es bereits nicht mehr nötig; er hatte ein anderes angezogen. Er stand gebückt vor dem kleinen Spiegel auf dem Tisch, hielt mit beiden Händen seine Halsbinde und probierte, ob sein rasiertes Kinn sich in der Binde hin und her bewegen könne.

Nachdem Karl Iwanowitsch unseren Anzug überall zurechtgezogen und Nikolas um den gleichen Dienst bei sich gebeten hatte, führte er uns zur Großmutter. Ich muß noch jetzt lachen, wenn ich daran denke, wie stark wir drei nach Pomade rochen, als wir die Treppe heruntergingen.

Karl Iwanowitsch trug eine selbstverfertigte Schachtel, Wolodja die Zeichnung, ich das Gedicht, das ich vor unserem Aufbruch unter dem Kissen hervorgeholt hatte. Jeder hatte den Spruch auf der Zunge, mit dem er sein Geschenk überreichen wollte.

In dem Augenblick, als Karl Iwanowitsch die Tür öffnete, legte der Priester sein Gewand an und das Gebet begann.

Großmutter war schon im Saal; auf eine Stuhllehne gestützt stand sie an der Wand und betete inbrünstig. Neben ihr stand Papa. Er wandte sich nach uns um und lächelte, als wir schnell unsere Geschenke auf dem Rücken versteckten und dicht an der Tür stehenblieben, um nicht bemerkt zu werden.

Die ganze Überraschung, auf die wir gerechnet hatten, war dahin.

Als nach Schluß des Gebets das Kreuz geküßt wurde, war ich unentschlossen, ob ich sogleich das Gedicht überreichen und Großmutter gratulieren sollte oder nachher. Das sofortige Überreichen war mir sehr unangenehm, weil ich bei der Vorbereitung auf diesen Augenblick nicht daran gedacht hatte, daß der Vorgang sich vor einem Publikum abspielen würde, das jetzt aus Papa und dem Protopopen bestand. Namentlich vor Papas Spott hatte ich Angst. Ich hielt mein Gedicht auf dem Rücken und stand so unbeschreiblich schüchtern und verlegen da.

Karl Iwanowitsch beglückwünschte Großmutter in den gewähltesten Ausdrücken, nahm die Schachtel aus der linken Hand in die rechte, händigte sie ihr ein und trat ein paar Schritte zurück, um Wolodja Platz zu machen. Großmutter schien von der Schachtel mit Goldrand entzückt und gab mit verbindlichem Lächeln ihrem Dank Ausdruck. Man merkte aber, daß sie die Schachtel nirgend hinzustellen wußte und wahrscheinlich aus diesem Grunde Papa bat, einmal zu sehen, wie erstaunlich kunstfertig sie gearbeitet sei.

Nachdem Papa seine Neugierde befriedigt hatte, übergab er die Schachtel dem Geistlichen, dem das Ding anscheinend sehr gefiel. Er wiegte den Kopf hin und her und blickte neugierig bald auf die Schachtel, bald auf den Meister, der solch schönen Gegenstand fertiggebracht hatte.

Wolodja überreichte seinen Türken mit dem Signum und erntete von allen Seiten das höchste Lob.