Er konnte mir nicht antworten, weil in diesem Augenblick Karl Iwanowitsch, vollständig angekleidet, im blauen Rock und grauen Hosen ins Zimmer trat. Wolodja deutete mit seinen dreisten, schwarzen Augen nur auf die Ecke hinter dem Ofen, hob wieder die Schultern und wäre beinahe losgeplatzt.
Ich sah hin; das beste Erzeugnis Karl Iwanowitschs – ein Futteral mit zwei Zwischenwänden, das nur noch trocknen und mit Einfassung beklebt werden mußte, um am Namenstage einem Familienmitgliede als Präsent dargebracht zu werden, ein Futteral, für welches Karl Iwanowitsch beim Tischler Kondratius extra eine Form bestellt, an dem er mit besonderer Sorgfalt und Liebe gearbeitet hatte – dieses Futteral lag zerdrückt, verbogen hinter dem Ofen zwischen Staub und neben der Dielenbürste auf dem Fußboden – wahrscheinlich hatte Karl Iwanowitsch es in einem Augenblick des Ärgers selbst dorthin geworfen.
Es kam mir sonderbar vor, daß Wolodja darüber lachen konnte.
Karl Iwanowitsch blieb vor der Tür stehen und begann auf dem oberen Balken mit Kreide Buchstaben und Ziffern zu malen. Er führte seinen Kalender auf dieser Tür; da aber der ganze Monat nicht auf das obere Gesims hinaufging, so wischte er an gewissen Tagen das Geschriebene aus und schrieb neue Zeichen hin.
Während er damit beschäftigt war, trat ich zum letzten Fenster. Die Aussicht von dort war folgende: gerade unter dem Fenster ein großer Fliederbusch, hinter dem Busch eine geschorene Lindenallee, durch die man die Wiese sah, mit der Tenne auf der einen Seite und dem Wald auf der anderen und gegenüber. Im Walde sah man die Wärterhütte. Es läßt sich nicht beschreiben, wie schön das alles war.
Aus dem Fenster rechts war ein Teil der Veranda sichtbar, auf welcher meistens alles bis zum Mittagessen saß. Bisweilen, während Karl Iwanowitsch das Diktat korrigierte, blickte ich nach jener Seite, sah dann das schwarze Köpfchen der Mutter, einen Rücken und hörte undeutliches Gespräch und Lachen. Ich war recht ärgerlich, daß ich nicht dabei sein konnte! Ich dachte: wann werde ich groß sein, aufhören zu lernen und immer bei denen sein, die ich liebhabe? Ärger überkam mich, und Gott mag wissen, an was ich so sehr dachte, daß ich gar nicht hörte, wie Karl Iwanowitsch über die Fehler böse war und schalt.
Wolodja durfte aufstehen und wir gingen hinunter, um die Mutter zu begrüßen.
2. Mama.
Mama saß im Gastzimmer und goß Tee ein; mit einer Hand hielt sie die Teekanne, mit der anderen den Samowarhahn, aus dem das Wasser über den Rand der Teekanne auf das Teebrett floß. Obgleich sie unverwandt auf diese Stelle blickte, bemerkte sie nichts, bemerkte nicht einmal, daß wir eintraten.