»Nun – dann habe ich sie verloren!« sagte Etienne, weiteren Auseinandersetzungen aus dem Wege gehend in scharfem, weinerlichem Ton. »Werd' ihm schon bezahlen, was die Peitsche kostet. Lächerlich!« Er kam auf mich zu und zog mich ins Gastzimmer.
»Nein, erlauben Sie, Herr, womit wollen Sie denn bezahlen? Ich weiß, wie Sie das machen. Maria Wassiljewna bezahlen Sie schon seit acht Monaten zwanzig Kopeken; mir schulden Sie auch schon seit einem Jahr zwei Rubel fünfundzwanzig Kopeken; Petruschka …«
»Willst du schweigen, frecher Kerl!« schrie der junge Herr, bleich vor Wut, »ich werde bestimmt alles melden.«
»Bestimmt alles melden!« wiederholte der Diener zum allgemeinen Gaudium spöttisch in grobem Baß. »Das ist nicht hübsch, Durchlaucht!« schloß er besonders eindrucksvoll und ging mit den Mänteln zur Garderobe.
»Das war recht,« sagte jemand von den Zuhörern, während wir, durch Schweigen unserer Verachtung Ausdruck gebend, uns zu Großmutter begaben.
Diese hatte eine besondere Gabe, durch Anwendung des »Du« und »Sie« in bestimmten Fällen und mit besonderer Betonung den Leuten ihre Meinung direkt ins Gesicht zu sagen. Weil sie diese Fürwörter gerade entgegengesetzt zu der allgemeinen Gewohnheit gebrauchte, bekamen sie in ihrem Munde eine ganz besondere Bedeutung. Ich bin überzeugt, daß sie sich Etienne beim ersten Anblick unter der Rute und mit allen unanständigen Einzelheiten vorstellte; sie empfing ihn sehr kalt und nannte ihn mit solchem Ausdruck der Verachtung und des Abscheus »Sie«, daß ich an seiner Stelle ganz fassungslos geworden wäre. Etienne war augenscheinlich von anderem Kaliber. Er beachtete weder die Art des Empfanges, noch Großmutters Person, sondern verbeugte sich vor der ganzen Gesellschaft nicht gerade geschickt, aber sehr ungezwungen, ging sogar zu Sonja und forderte sie zur Quadrille auf.
Sonja fesselte meine ganze Aufmerksamkeit. Ich hatte bemerkt, daß, wenn Wolodja, Etienne und ich uns im Saal am Fenster unterhielten, von wo aus wir Sonja sehen und sie mich sehen und hören konnte – ich mit besonderem Vergnügen sprach; und wenn ich eine nach meiner Auffassung verständige oder komische Bemerkung tat, brachte ich sie lauter heraus und blickte dabei nach der Tür des Gastzimmers. Als wir aber vom Fenster fortgingen und an eine Stelle kamen, wo man uns vom Gastzimmer weder sehen noch hören konnte, schwieg ich und fand kein Vergnügen mehr an der Unterhaltung.
Gastzimmer und Saal füllten sich allmählich mit Gästen; unter ihnen waren, wie stets bei Kindergesellschaften, ein paar große Kinder, die diese Gelegenheit, sich zu amüsieren und zu tanzen, nicht vorübergehen lassen wollten, wenn auch nur, um – anderen ein Vergnügen zu bereiten.
Als Iwins kamen, empfand ich statt der gewöhnlichen Freude bei Serjoschas Anblick eine Art Ärger, daß er Sonja sah und sich ihr zeigte.