Großmutter hielt mich fest an der Hand und sah sich ernst aber fragend nach den Anwesenden um, bis die Neugierde aller befriedigt war und das Gelächter allgemein wurde.

Die Freude Sonjas, die über meine komische Figur mit den vier Fingern im schmutzigen Handschuh dermaßen lachte, daß ihr Tränen in die Augen traten und die Locken entzückend um ihr gerötetes Gesicht tanzten, steckte mich an: ich lachte jetzt am allerlautesten.

Sehr traurig wäre ich gewesen, wenn Serjoscha mich gesehen hätte, als ich, dunkelrot vor Scham, umsonst versuchte, meine Hand loszureißen; vor Sonja dagegen schämte ich mich nicht. Ich fühlte, daß ihr Lachen zu laut und ungezwungen war, um spöttisch zu sein. Im Gegenteil, dadurch, daß wir zusammen lachten und uns ansahen, wurden wir schneller miteinander bekannt; ich fühlte mich bald so sicher, daß ich sofort um eine Quadrille bat.

Die Episode mit dem Handschuh, die schlecht enden konnte, brachte mir den Nutzen, daß sie mir in einem Kreise, der mir stets am schrecklichsten war, – unter Gästen – Sicherheit gab; ich fühlte jetzt nicht die geringste Befangenheit mehr.

Das Leiden, das aus Verlegenheit entspringt, rührt daher, daß wir nicht wissen, welchen Eindruck wir auf andere machen. Sobald wir hierüber Gewißheit haben, hört das Leiden – mag der Eindruck sein wie er will – auf.

Wie lieb war Sonja Walachin, als sie mir gegenüber mit dem plumpen Etienne die Quadrille à la cour tanzte! Wie reizend, als ob wir uns schon eine Ewigkeit kennen würden, reichte sie mir bei der Chaine lächelnd die Hand. Wie niedlich im Takt hüpften die blonden Locken auf ihrem Kopf und wie zierlich führte sie das »Jeté assemblé« mit ihren kleinen Füßchen in den bebänderten Chevreauschuhen aus – alles nach den Klängen des »Donauweibchens«, die ich bis jetzt nicht ohne süßes Herzbeben hören kann. Obgleich sie dem jungen Fürsten, der sie in eine Unterhaltung zu ziehen suchte, ebenso lieb zulächelte, war ich doch glücklich. Bei der fünften Figur, als meine Dame vor mir auf die andere Seite tanzte und ich, die Takte zählend, mich auf das Solo vorbereitete, legte Sonja ernsthaft die Lippen zusammen und sah zur Seite, als hätte sie Mitleid mit mir und fürchtete, ich könnte konfus werden. Aber diese Sorge war umsonst; ich führte kühn das chassé en avant, en arrière und croissé aus, und als ich an ihr vorbeikam, zeigte ich ihr den Handschuh mit vier Fingern. Wie lieb lachte sie da, und wie lustig und naiv hüpften die Füßchen in den Chevreauschuhen auf dem Parkett. Als wir uns bei dem grand rond alle an der Hand faßten und einen Kreis bildeten, rieb sie sich, ohne meine Hand loszulassen, ihr Näschen am Handschuh.

Alles das steht mir noch heute vor Augen. Dann kam die zweite Quadrille mit Sonja.

Die Musik, das helle Licht, die Diener in weißen Krawatten, der besondere Ballgeruch – alles das bewirkte, daß ich, neben Sonja auf meinem Stuhl mich niederlassend, anstatt einfach zu sprechen, um jeden Preis mit meinem Französisch glänzen wollte und schreckliche Dummheiten sagte.

»Vous êtes une habitante de Moscou?« fragte ich nach kurzem Schweigen. Als sie bejahte, fuhr ich ebenso fort: »Et vous êtes native de quel gouvernement?« dabei besonders auf die Wirkung des Wortes »native« rechnend. Als sie mich dann fragte, ob ich früher schon in Moskau gewesen sei, erwiderte ich, eine malerische Pose auf meinem Stuhl einnehmend: »Et moi, je n'ai jamais frequenté la capitale,« mit dem Bestreben, sie durch das Wort »frequenter« endgültig von meinen vorzüglichen Kenntnissen des Französischen zu überzeugen.