Indessen fühlte ich mich, so glänzend meine Unterhaltung auch war, doch nicht imstande, sie mit derselben Verve fortzusetzen; wenn nicht bald an uns die Reihe zum Tanzen kam, oder sie mir aus der schwierigen Situation hinaushalf, war ich genötigt, die ganze Zeit zu schweigen. In Erwartung ihrer Unterstützung und neugierig, welchen Eindruck mein Französisch auf sie machte, blickte ich ihr unruhig ins Gesicht.

»Wo haben Sie den komischen Handschuh her?« fragte sie mich plötzlich. Diese Frage verschaffte mir große Erleichterung und Vergnügen. Ich erklärte ihr, der Handschuh gehörte Karl Iwanowitsch, und verbreitete mich etwas über seine Person, wie komisch er wäre und wie er einmal mit seiner grünen Pekesche vom Pferd in eine Pfütze gefallen sei.

In der Unterhaltung über Karl Iwanowitsch, das Land, Pilze und das Pferd verging unmerklich die Quadrille. Alles sehr schön, aber warum hatte ich mich ironisch über Karl Iwanowitsch geäußert? Fürchtete ich wirklich, die gute Meinung, die Sonja von mir hatte, zu verlieren, wenn ich ihn mit der Liebe und Verehrung schilderte, die ich bisweilen für ihn hegte?

Bei der Beendigung der Quadrille sagte Sonja mit solch liebem und freundlichem Ausdruck »Merci« zu mir, als wenn sie mir wirklich für etwas zu danken hätte; ich war einfach hingerissen und erkannte mich selbst nicht wieder, so kühn, selbstbewußt, ja frech trat ich auf.

Keck schlenderte ich durch alle Räume, ohne auf etwas zu achten; bog nicht einmal aus, sondern rannte sehr unhöflich mit den Leuten, die mir begegneten, zusammen. Es gibt nichts, was mich jetzt aus der Fassung bringen kann, dachte ich. Ich bin zu allem bereit.

Serjoscha bat mich, sein vis-à-vis zu sein.

»Gut,« sagte ich, »hab' zwar noch keine Dame, werde aber schon eine finden.«

Den Saal mit einem kühnen Blick musternd, bemerkte ich, daß fast alle Damen engagiert waren; nur an der Tür stand ein großes hübsches Mädchen, auf das jetzt ein schlanker junger Mann zuschritt; offenbar in der Absicht, sie zu engagieren. Er war von ihr nur noch drei Schritt entfernt, ich dagegen am anderen Saalende. Im Nu durchflog ich, auf dem Parkett dahingleitend, den ganzen Raum, machte eine Verbeugung und bat sie mit fester Stimme um den Tanz. Das große Mädchen lächelte gönnerhaft, reichte mir den Arm, und der junge Mann hatte das Nachsehen. Ich fühlte so viel Kraftbewußtsein, daß ich meinen Sieg gar nicht bemerkte. Erst später erfuhr ich, der junge Mann hätte gefragt, wer denn der Struwwelpeter wäre, der ihm zwischen den Beinen herumgesprungen sei und so frech die Dame weggeschnappt hätte.

24. Die Mazurka.

Die Musik begann; Großmutter kam aus dem Gastzimmer; man rollte ihren weichen Sessel herein und sie setzte sich in die Saalecke zu einem alten, ordengeschmückten Herrn, der soeben vom Kartentisch aufgestanden war, und zu einer Dame. Da ich zur Mazurka keine Tänzerin hatte, stellte ich mich hinter die hohe Stuhllehne, lauschte der Unterhaltung und beobachtete die Tanzenden.