Ich sprang auf und fragte: ›Was ist Ihnen?‹

›Ach, Natalie Sawischna, wenn Sie wüßten, wen ich soeben gesehen habe!‹

Soviel ich auch fragte, sie sagte mir nichts weiter, befahl nur, den Tisch heranzurücken, schrieb noch etwas, hieß mich den Brief in ihrer Gegenwart siegeln und sofort befördern. Danach wurde es schlimmer und schlimmer.«

28. Was uns auf dem Lande erwartete.

Am 15. April stiegen wir an der Treppe von Petrowskoie aus der Reisekutsche.

Bei der Abfahrt aus Moskau war Papa sehr nachdenklich, und als Wolodja ihn fragte, ob Mama vielleicht krank sei, blickte er ihn traurig an und nickte mit dem Kopf. Unterwegs beruhigte sich Papa merklich; als wir uns aber dem Hause näherten, wurde sein Gesicht immer trauriger, und beim Aussteigen, als er den keuchend herumlaufenden Foka fragte: »Wo ist meine Frau?« war seine Stimme unsicher, und in seinen Augen standen Tränen. Der gute alte Foka schlug, nach einem verstohlenen Blick auf uns, die Augen nieder, öffnete die Flurtür, wandte sich ab und sagte:

»Schon sechs Tage hat die gnädige Frau das Schlafzimmer nicht verlassen.«

Milka, die, wie ich später erfuhr, seit dem Tage, an welchem Mama erkrankte, unaufhörlich heulte, stürzte Papa freudig entgegen, sprang an ihm in die Höhe, winselte, leckte ihm die Hände; aber er stieß sie fort und ging ins Gastzimmer; von dort ins Diwanzimmer, dessen Tür direkt ins Schlafzimmer führte. Je näher er diesem Zimmer kam, desto deutlicher war seine Unruhe an der ganzen Körperhaltung zu erkennen. Beim Eintritt ins Diwanzimmer ging er auf den Zehenspitzen, wagte kaum zu atmen und bekreuzigte sich, bevor er den Griff der geschlossenen Tür anzurühren wagte. Im selben Augenblick kam aus dem Korridor verweint und unfrisiert Mimi gelaufen.

»Ach, Peter Alexandrowitsch!« flüsterte sie mit dem Ausdruck echter Verzweiflung, und fügte dann, bemerkend, daß Papa die Türklinke niederdrückte, kaum hörbar hinzu: »hier geht es nicht – durchs Kinderzimmer ist der Eingang.«