»Anderthalb Pfund Rosinen, vier Pfund Zucker und drei Pfund Reis zum Leichenschmaus.«

»Sofort, sofort, Freund,« sagte Natalie Sawischna, nahm schnell eine Prise und trippelte zum Vorratskasten. Die letzten Spuren des durch unsere Unterhaltung hervorgerufenen Kummers verschwanden, als sie ihre Tätigkeit begann, die ihr wichtig erschien.

»Wozu vier Pfund?« fragte sie brummig, den Zucker hervorholend und auf der Schnellwage abwiegend, »dreieinhalb Pfund sind genug,« dabei nahm sie ein paar kleine Gewichtstücke fort.

»Was soll denn das heißen; gestern erst hab' ich acht Pfund Reis ausgegeben, und nun wird schon wieder welcher verlangt. Mach, was du willst, Foka Demidytsch, aber Reis gebe ich nicht. Wanka freut sich wohl, daß im Hause alles drunter und drüber geht und denkt, man merkt es nicht. Nein, mit dem Herrschaftsgut wird nicht geschleudert. Ist das wohl erhört: acht Pfund Reis.«

»Was soll ich machen? Er sagt, alles sei draufgegangen.«

»Na, dann nimm! Er soll daran ersticken!«

Mich überraschte damals dieser plötzliche Übergang von der Rührung in der Unterhaltung mit mir zur Brummigkeit und kleinlichen Berechnung. Bei späterem Nachdenken verstand ich, daß Natalie trotz der seelischen Erregung noch genug Geistesgegenwart besaß, um ihre Arbeit zu verrichten, zu der die Macht der Gewohnheit sie hinzog. Der Kummer wirkte so stark auf sie, daß sie es nicht für nötig hielt zu verbergen, daß sie es vermöchte, sich auch noch mit anderen Dingen zu beschäftigen; sie hätte wahrscheinlich gar nicht verstanden, wie man so etwas denken könne.

Eitelkeit ist das mit aufrichtiger Trauer am wenigsten zu vereinigende Gefühl; dabei ist diese Eigenschaft der menschlichen Natur so tief eingeimpft, daß selbst die stärkste Trauer sie kaum unterdrücken kann. Eitelkeit in der Trauer äußert sich in dem Wunsch, entweder sehr betrübt, oder unglücklich, oder besonders fest zu erscheinen; und dieses niedrige Verlangen, das wir nicht eingestehen, das uns aber fast nie, selbst beim heftigsten Schmerz nicht verläßt, nimmt unserem Kummer jede Kraft, Würde und Aufrichtigkeit. Natalie Sawischna war von dem Unglück so tief betroffen, daß in ihrem Innern kein Wunsch übriggeblieben war und daß sie nur aus Gewohnheit weiterlebte.

Nachdem sie Foka die verlangten Dinge ausgeliefert und an den Kuchen erinnert hatte, der für die Popen gebacken werden müsse, entließ sie ihn, nahm ihren Strumpf vor und setzte sich wieder neben mich.

Die Unterhaltung betraf wieder denselben Gegenstand; wir weinten abermals und trockneten unsere Tränen.