»Nein! Nein! Sprechen wir gerade davon!« rief ich aus, und meine Stimme zitterte vor zurückgehaltenen Tränen. »Liebte er sie oder nicht?«

Er gab keine Antwort.

»Wenn er sie aber nicht liebte, warum spielte er dann mit ihr wie mit einem Kinde?« fragte ich.

»Ja, ja, das war eben seine Schuld,« antwortete er, mich hastig unterbrechend, »aber alles war zu Ende, und sie schieden … als Freunde.«

»Aber es ist doch entsetzlich! Ist denn kein anderer Ausweg möglich?« brachte ich mit Mühe hervor und erschrak gleich darauf über meine eigenen Worte.

»Ja, es gibt wohl einen anderen Ausweg,« sagte er, indem er die Hand von seinem aufgeregten Gesicht nahm und mir gerade in die Augen blickte. »Es gibt zwei verschiedene Auswege. Aber um Gottes willen, unterbrechen Sie mich nicht und versuchen Sie mich mit Ruhe zu begreifen. Die einen sagen,« fing er an, indem er sich erhob, mit einem schmerzvollen und schwermütigen Lächeln, »die einen sagen, A. sei verrückt geworden, hätte sich in die B. wahnsinnig verliebt und ihr seine Liebe gestanden … Sie hätte aber nur gelacht. Für sie war es nur ein Spiel, für ihn aber eine Lebensfrage.«

Ich fuhr zusammen und wollte ihn unterbrechen, wollte ihm sagen, daß er sich nicht unterstehen dürfe, mir seine eigenen Gedanken unterzuschieben, aber er legte seine Hand auf die meine, um mich zurückzuhalten.

»Warten Sie,« sagte er mit bebender Stimme, »die einen sagen, sie hätte Mitleid mit ihm gehabt; die Ärmste, die die Menschen noch nicht kannte, hätte sich eingebildet, daß sie ihn wirklich lieben könne, und eingewilligt, seine Frau zu werden. Er, der Wahnsinnige hätte geglaubt, daß für ihn ein neues Leben beginnen würde, aber sie hätte selbst begriffen, daß sie ihn betrogen habe, wie auch er sie … Sprechen wir nicht mehr davon,« schloß er, offenbar außerstande, weiter zu sprechen, und fing an, vor mir auf und ab zu gehen.

Er sagte: »sprechen wir nicht mehr davon«, aber ich sah, daß er mit der ganzen Sehnsucht seiner Seele ein Wort von mir erwartete. Ich wollte sprechen, konnte es aber nicht: etwas preßte mir die Brust zusammen. Ich sah ihn an: er war blaß, und seine Unterlippe zitterte. Ich fühlte Mitleid mit ihm. Ich nahm meine ganze Kraft zusammen, zerriß plötzlich die Fesseln des Schweigens und begann mit leiser, verhaltener Stimme, die, wie ich fürchtete, jeden Augenblick versagen konnte.

»Und die dritte Möglichkeit,« begann ich und hielt inne; aber er schwieg. »Die dritte Möglichkeit ist, daß er sie nicht liebte und ihr sehr weh tat; er glaubte, im Rechte zu sein, und verließ sie und rühmte sich auch noch dessen. Für Sie ist es ein Spiel, aber nicht für mich, ich habe Sie vom ersten Tage an geliebt, geliebt!« wiederholte ich, und beim Worte »geliebt« steigerte sich meine bis dahin leise und verhaltene Stimme zu einem wilden Aufschrei, vor dem ich selbst erschrak.