Er stand bleich vor mir, seine Lippe bebte immer heftiger, und zwei Tränen rollten über seine Wangen.
»Das ist schlecht!« schrie ich fast, während mich die unterdrückten Tränen der Kränkung zu ersticken drohten. »Womit habe ich das verdient?« fragte ich und erhob mich, um fortzugehen.
Er ließ mich aber nicht fort. Sein Kopf lag auf meinem Schoße, seine Lippen küßten meine zitternden Hände, und seine Tränen netzten sie. »Mein Gott, wenn ich es gewußt hätte!« rief er.
»Womit? Womit?« wiederholte ich, und in meiner Seele war ein Glück, das dann für immer entschwand und nie wiederkam.
Fünf Minuten später lief Ssonja zu Katja hinauf und schrie, daß es im ganzen Hause hallte: »Mascha will Ssergej Michailytsch heiraten!«
V
Es lagen keine Gründe vor, die Hochzeit hinauszuschieben, und weder er, noch ich wünschten das. Katja wollte allerdings erst nach Moskau fahren, um Verschiedenes für die Aussteuer einzukaufen und zu bestellen, und seine Mutter versuchte, darauf zu bestehen, daß er vor der Heirat eine neue Equipage und neue Möbel anschaffe und das Haus neu tapezieren lasse; wir beide setzten aber unseren Entschluß durch, dies alles, wenn es schon so notwendig sei, erst später zu besorgen und uns zwei Wochen nach meinem Geburtstage, in aller Stille, ohne Aussteuer, ohne Gäste, ohne Hochzeitsbeistände, ohne Festtafel, Champagner und sonstige Hochzeitsattribute trauen zu lassen. Er erzählte mir, wie ungehalten seine Mutter darüber war, daß unsere Hochzeit ohne Musik, ohne einen Berg von Truhen und ohne Erneuerung des ganzen Hauses gefeiert werden sollte, ganz anders, als ihre Hochzeit, die einst dreißigtausend Rubel gekostet habe, und wie sie hinter seinem Rücken die alten Kisten und Kasten durchwühlt und sich mit der Wirtschafterin Marjuschka ernsthaft wegen der für unser Glück unentbehrlichen Teppiche, Gardinen und Tabletts beraten habe. Meine Katja machte es ebenso mit der Wärterin Kusminischna. Darüber durfte man mit ihr nicht scherzen. Sie war fest überzeugt, daß wir, wenn wir von unserer Zukunft sprachen, nur tändelten und Unsinn trieben, wie es Menschen in dieser Lage überhaupt eigen sei, daß aber das wesentliche Glück unserer Zukunft nur davon abhänge, daß die Hemden richtig zugeschnitten und genäht und die Tischtücher und Servietten ordentlich gesäumt seien. Zwischen Pokrowskoje und Nikolskoje wurden einigemal am Tage geheime Berichte darüber ausgetauscht, was auf der einen und auf der anderen Seite vorbereitet wurde; obwohl die Beziehungen zwischen Katja und seiner Mutter äußerlich die zärtlichsten waren, war doch eine etwas feindselige, wenn auch raffinierte Diplomatie dabei. Seine Mutter, Tatjana Ssemjonowna, die ich jetzt näher kennen lernte, war eine steife und strenge Hausfrau, eine Dame der guten alten Zeit. Er liebte sie nicht nur als Sohn aus Pflichtgefühl, sondern auch aus menschlicher Neigung, da er sie für die beste, gütigste, klügste und liebreichste Frau in der Welt hielt. Tatjana Ssemjonowna war immer gut zu uns, besonders zu mir, und freute sich, daß ihr Sohn heiraten wollte; als ich sie aber als seine Braut besuchte, kam es mir vor, als wollte sie mich fühlen lassen, daß ich als die Auserwählte ihres Sohnes auch besser hätte sein können und daß es mir gar nicht schaden würde, dessen immer eingedenk zu sein. Ich verstand sie vollkommen und war mit ihr einverstanden.