– Wie seltsam hat er mich eben angesehen, – dachte ich mir, während ich mich oben umzog. – Nun, Gott sei Dank, daß er gekommen ist: jetzt wird es wieder lustiger werden! – Ich warf noch einen Blick in den Spiegel, eilte lustig die Treppe hinunter und kam außer Atem, ohne irgendwie zu verheimlichen, daß ich mich beeilt hatte, auf die Terrasse. Er saß am Tisch und sprach mit Katja über unsere Vermögensverhältnisse. Er sah mich lächelnd an und fuhr in seinem Gespräch fort. Unsere Verhältnisse waren nach seinen Worten im besten Zustande. Wir müßten jetzt nur noch den Sommer auf dem Lande verbringen und könnten dann entweder nach Petersburg, um für Ssonjas Erziehung zu sorgen, oder ins Ausland gehen.

»Ja, wenn Sie doch mit uns ins Ausland mitkommen wollten,« sagte Katja. »Allein würden wir uns dort so einsam wie in einem Walde fühlen.«

»Ach, wie gerne würde ich mit Ihnen eine Reise um die Welt machen!« sagte er halb im Scherz und halb im Ernst.

»Nun,« erwiderte ich, »machen wir doch wirklich eine Reise um die Welt.«

Er lächelte und schüttelte den Kopf.

»Und meine Mutter? Und meine Geschäfte?« versetzte er. »Aber es handelt sich jetzt nicht darum. Erzählen Sie mir lieber, wie Sie die Zeit verbracht haben. Haben Sie denn wieder Grillen gefangen?«

Als ich ihm berichtete, was ich in seiner Abwesenheit getrieben, und daß ich mich nicht gelangweilt hatte, und als Katja meine Worte bestätigte, lobte er und liebkoste mich mit Worten und Blicken, als ob ich noch ein Kind wäre, und er ein Recht darauf hätte. Ich hielt es für meine Pflicht, ihm ausführlich und besonders aufrichtig über alles zu berichten, was ich Gutes getan hatte, und ihm wie in der Beichte alles zu gestehen, was seine Unzufriedenheit erregen konnte. Der Abend war so schön, daß wir auch nach dem Tee auf der Terrasse blieben, und das Gespräch fesselte mich so, daß ich gar nicht merkte, wie ringsum allmählich alle menschlichen Laute verstummten. Von allen Seiten duftete es nach Blumen, reichlicher Tau netzte das Gras, eine Nachtigall begann in der Nähe in einem Fliederbusch zu schmettern und verstummte, als sie unsere Stimmen hörte; der gestirnte Himmel senkte sich gleichsam auf uns herab.

Ich merkte den Anbruch der Nacht erst dann, als eine Fledermaus lautlos unter die Leinenmarkise der Terrasse geflogen kam und mein weißes Kopftuch zu umflattern begann. Ich drückte mich an die Wand und wollte schon aufschreien, aber die Fledermaus flog ebenso lautlos und schnell, wie sie gekommen war, unter der Markise hinaus und verschwand im Halbdunkel des Gartens.

»Wie liebe ich Euer Pokrowskoje,« sagte er, das Gespräch unterbrechend. »Ich könnte mein ganzes Leben hier auf dieser Terrasse sitzen.«