Ich fühle, daß es dieser Tage etwas geben wird, sagte er zum Fürsten Galzin.
Wie, wird es heut nichts geben? fragte schüchtern Michajlow, indem er bald Kalugin, bald Galzin ansah.
Niemand antwortete ihm. Fürst Galzin runzelte nur eigentümlich die Stirn, ließ seinen Blick an seiner Mütze vorbeischweifen und sagte nach einer kurzen Pause:
Ein prächtiges Mädchen, die in dem roten Tuche. Kennen Sie sie nicht, Kapitän?
Nicht weit von meiner Wohnung, die Tochter eines Matrosen, antwortete der Stabskapitän.
Gehen wir, sehen wir sie uns an.
Und Fürst Galzin nahm auf der einen Seite Kalugin, auf der anderen – den Stabskapitän unter den Arm; er war im voraus überzeugt, daß dies dem letzteren ein großes Vergnügen bereiten müsse, was in der That zutreffend war.
Der Stabskapitän war abergläubisch und hielt es für eine große Sünde, sich vor einem Kampfe mit Weibern abzugeben; aber in diesem Falle spielte er den Schwerenöter, was ihm Fürst Galzin und Kalugin offenbar nicht glaubten, und was das Mädchen in dem roten Tuch außerordentlich verwunderte, da sie öfter bemerkt hatte, wie der Stabskapitän errötet war, wenn er an ihrem Fenster vorüberging. Praßkuchin ging hinterdrein, stieß den Fürsten Galzin am Arm und machte allerlei Bemerkungen in französischer Sprache; da es aber nicht möglich war, zu Vieren den schmalen Weg zu gehen, war er gezwungen, allein zu gehen und nahm nur in der zweiten Gruppe den berühmten, tapferen Marineoffizier Sserwjagin unter den Arm, der herangekommen war und ein Gespräch mit ihm begonnen hatte, und der auch den Wunsch hatte, sich der Gruppe der Aristokraten anzuschließen. Und der berühmte Held schob mit Freuden seine nervige, ehrenfeste Hand unter den Arm Praßkuchins, der allen, auch Sserwjagin selbst, gut bekannt war, als ein nicht besonders guter Mensch. Als Praßkuchin dem Fürsten Galzin seine Bekanntschaft mit diesem Marineoffizier erklärte und ihm zuraunte, er sei ein berühmter Held, schenkte Fürst Galzin Sserwjagin doch gar keine Aufmerksamkeit; er war gestern auf der vierten Bastion gewesen, hatte dort in einer Entfernung von zwanzig Schritt eine Bombe krepieren sehen, hielt sich daher für keinen geringeren Helden, als dieser Herr war und meinte, so mancher Ruhm werde für nichts gewonnen.
Dem Stabskapitän Michajlow machte es so viel Vergnügen, in dieser Gesellschaft umherzuschlendern, daß er den lieben Brief aus T. und die düsteren Gedanken, die ihm bei dem bevorstehenden Abgange auf die Bastion überkommen hatten, vergaß. Er blieb so lange in ihrer Gesellschaft, bis sie ausschließlich untereinander zu plaudern begannen und seinen Blicken auswichen und ihm so zu verstehen gaben, daß er gehen könne, und sich schließlich ganz von ihm entfernten. Der Stabskapitän war trotzdem zufrieden und kränkte sich nicht im mindesten über die verdächtig-hoffärtige Art, in der der Junker Baron Pest sich brüstete und die Mütze vor ihm zog, als er an ihm vorüberging; der Junker war nämlich seit der gestrigen Nacht, – die er zum ersten Male in der Blindage der fünften Bastion zugebracht hatte, weshalb er sich für einen Helden hielt, – besonders stolz und selbstbewußt.