Zweites Geschütz, kommandierte ich.

Die Bedienungsmannschaft trat auseinander. Antonow lief nach der Seite, um den Flug des Geschosses zu verfolgen; das Zündrohr flammte auf, das Erz erdröhnte. In diesem Augenblick hüllte uns Pulverdampf ein, und von den erschütternden, dumpfen Tönen des Schusses löste sich der metallische, summende Klang der mit Blitzesschnelle dahinfliegenden Kugel, der inmitten des gemeinen Schweigens in der Ferne erstarb.

Ein wenig hinter der Gruppe der Reiter wurde ein weißer Rauch sichtbar, die Tataren sprengten nach allen Seiten aneinander und der Klang der krepierten Granate klang zu uns herüber.

Das war schön! Wie sie fortmachen! Die Teufelskerle, das haben sie nicht gern! ließen sich Beifall und Scherze in den Reihen der Artilleristen und der Infanteristen hören.

Hätte man's ein bißchen niedriger gerichtet, so hätte sie ganz genau getroffen, bemerkte Welentschuk. Ich habe gesagt, es trifft den Baum, und so war's auch – nach rechts ist sie gegangen.

VI

Ich verließ die Soldaten, während sie darüber sprachen, wie die Tataren davongesprengt waren, als sie die Granate erblickt, und weshalb sie hier herumritten, und ob wohl ihrer viele im Walde wären, ging mit dem Kompagnieführer wenige Schritte davon, setzte mich unter einen Baum, und erwartete die aufgewärmten Klopse, die er mir angeboten hatte. Der Kompagnieführer Bolchow war einer von den Offizieren, die man im Regiment die »Bonjours« nannte. Er besaß Vermögen, hatte früher in der Garde gedient und sprach französisch. Aber trotzdem hatten ihn die Kameraden gern. Er war recht gescheit und besaß Takt genug, um einen Petersburger Rock zu tragen, gut zu Mittag zu speisen und französisch zu sprechen, ohne das Offizierskorps übermäßig zu beleidigen. Wir sprachen über das Wetter, über die Kriegsereignisse und die gemeinsamen Bekannten unter den Offizieren und gewannen aus den Fragen und Antworten und aus der Auffassung der Dinge die Überzeugung, daß wir in unseren Ansichten ziemlich übereinstimmten, und so gingen wir unwillkürlich zu einem vertraulicheren Gespräch über. Im Kaukasus pflegt, wenn Menschen einer Gesellschaftsklasse sich begegnen, wenn auch unausgesprochen, so doch ziemlich klar, die Frage aufzutauchen: weshalb sind Sie hier? und auf diese meine unausgesprochene Frage schien mein Genosse die Antwort geben zu wollen.

Wann wird dieser Feldzug ein Ende nehmen! sagte er träge – langweilig!

Ich langweile mich nicht, sagte ich. Im Stabe ist's ja noch langweiliger.