Keiner von den Soldaten, die das Geschütz geladen hatten, sprach ein Wort. Nur der junge Rekrut brummte etwas vor sich hin wie: »Sieh mal dieses Blut,« und Antonow ächzte mit düsterer Miene ärgerlich; aber an allem war zu erkennen, daß der Gedanke an den Tod allen durch die Seele zog. Alle gingen mit noch größerer Geschäftigkeit ans Werk. Das Geschütz war in einem Augenblick geladen, und der Wagenführer, der die Kartätschen brachte, ging zwei, drei Schritte um die Stelle herum, an der der Verwundete lag und fort und fort stöhnte.

VIII

Jeder, der einmal in einer Schlacht gewesen ist, hat gewiß das seltsame, wenn auch nicht logische und doch starke Gefühl des Abscheus vor einer Stelle empfunden, an der ein Mensch getötet oder verwundet wurde. Diesem Gefühl erlagen sichtlich im ersten Augenblick meine Soldaten, als es galt, Welentschuk aufzuheben und ihn auf den Wagen zu laden, der herangekommen war. Tschikin näherte sich ärgerlich dem Verwundeten, faßte ihn, ohne auf sein stärker werdendes Geschrei zu achten, unter der Achsel und hob ihn auf. – »Was steht ihr da, greift an,« schrie er, und schnell umringten den Verwundeten an die zehn Mann, Helfer, die kaum noch nötig waren. Aber sie hatten ihn kaum von der Stelle gebracht, als Welentschuk entsetzlich zu schreien und um sich zu schlagen begann.

Was schreist du wie ein Hase? sagte Antonow und packte ihn derb am Bein, willst du nicht, lassen wir dich liegen.

Und der Verwundete verstummte wirklich und sagte nur von Zeit zu Zeit: »Ach, das ist mein Tod! Ah – ach Kameraden!«

Als sie ihn aber auf den Wagen gelegt hatten, hörte er sogar auf zu ächzen, und ich hörte, daß er mit leiser, aber deutlicher Stimme zu den Kameraden sprach – wahrscheinlich nahm er Abschied von ihnen.

Im Gefecht sieht niemand gern einen Verwundeten, und instinktiv beeilte ich mich, von diesem Schauspiel fortzukommen, befahl, ihn so schnell als möglich auf den Verbandplatz zu bringen, und ging zu den Geschützen; nach einigen Minuten aber sagte man mir, Welentschuk wünsche mich zu sprechen, und ich ging auf den Wagen zu.

Der Verwundete lag auf dem Boden des Wagens und hielt sich mit beiden Händen am Rand. Sein gesundes, breites Gesicht hatte sich in wenigen Sekunden vollständig verändert. Es war, als ob er abgemagert und um einige Jahre älter geworden wäre; seine Lippen waren dünn, blaß und mit sichtbarer Anstrengung zusammengepreßt; an die Stelle des unstäten und stumpfen Ausdrucks seiner Augen war ein heller, ruhiger Glanz getreten, und auf der blutbefleckten Stirn und Nase lagen schon die Züge des Todes.

Obgleich ihm auch die kleinste Bewegung unbeschreibliche Schmerzen verursachte, bat er, man möchte von seinem linken Bein sein Geldtscheres[P] abnehmen.