Der Kampf war im allgemeinen ein glücklicher. Die Kosaken hatten, wie es hieß, einen vortrefflichen Angriff gemacht und drei Tataren eingebracht; die Infanterie hatte sich mit Holz versorgt und zählte im ganzen sechs Verwundete; bei der Artillerie war der Mannschaft nur der eine, Welentschuk, und zwei Pferde verloren gegangen. Dafür hatte man etwa drei Werst Waldes ausgeholzt und den Platz so gesäubert, daß man ihn nicht wieder erkannte; an der Stelle des dichten Waldsaums, den man früher dort gesehen hatte, öffnete sich eine ungeheure Wiesenfläche, bedeckt von rauchenden Wachtfeuern, von Kavallerie und Infanterie, die sich auf das Lager zu bewegte. Obgleich der Feind nicht aufhörte, uns mit Geschütz- und Gewehrfeuer zu verfolgen, bis an das Flüßchen und den Kirchhof, den wir des Morgens durchschritten hatten, vollzog sich der Rückzug glücklich. Meine Gedanken waren schon bei der Kohlsuppe und der Hammelrippe mit Grütze, die meiner im Lager harrten, als die Nachricht kam, der General habe befohlen, am Flüßchen eine Schanze aufzuschütten und bis morgen das dritte Bataillon des K.-Regiments und den Zug der vierten Batterie dort lagern zu lassen. Die Wagen mit dem Holz und den Verwundeten, die Kosaken, die Artillerie, das Fußvolk mit den Gewehren und dem Holz über den Schultern – alles zog mit Lärmen und Gesang an uns vorüber. Auf allen Gesichtern lag Begeisterung und Freude, wie sie die überstandene Gefahr und die Erwartung der Ruhe hervorgerufen hatten. Nur wir und das dritte Bataillon mußten auf diese angenehmen Gefühle noch bis morgen warten.

X

Während wir, die Artilleristen, um die Geschütze beschäftigt waren, während wir die Protzkasten, die Pulverkasten aufstellten und den Pferden die Fußstricke lösten, hatte die Infanterie schon die Gewehre zusammengestellt, die Wachtfeuer hergerichtet, aus Ästen und Maisstroh Hütten gebaut und angefangen die Grütze zu kochen.

Es begann zu dämmern. Am Himmel zogen blauweiße Wolken hin. Die Dunkelheit hatte sich in einen feinen feuchten Nebel verwandelt und netzte den Boden und die Mäntel der Soldaten; der Gesichtskreis wurde enger, und die ganze Umgegend hüllte sich in düstere Schatten. Die Feuchtigkeit, die ich durch die Stiefel hindurch und im Nacken fühlte, die ununterbrochene Bewegung und das nie verstummende Gespräch, an dem ich keinen Anteil nahm, der lehmige Boden, auf dem meine Füße ausglitten und der leere Magen brachten mich in die drückendste, unangenehmste Stimmung, nach einem Tage physischer und moralischer Ermattung. Welentschuk wollte mir nicht aus dem Sinn. Die ganze einfache Geschichte eines Soldatenlebens drängte sich unabweislich meiner Phantasie auf.

Seine letzten Augenblicke waren ebenso klar und ruhig gewesen wie sein ganzes Leben. Er hatte zu ehrlich und einfach gelebt, als daß sein einfältiger Glaube an ein zukünftiges, himmlisches Dasein in dem entscheidenden Augenblicke hätte schwanken können.

Grüß Gott, sagte Nikolajew, indem er auf mich zutrat, wollen Sie sich gefälligst zum Kapitän bemühen, er bittet Sie, mit ihm Thee zu trinken.

Ich drängte mich, so gut es ging, zwischen den zusammengestellten Gewehren und Wachtfeuern hindurch, ging, Nikolajew folgend, zu Bolchow und dachte mit Vergnügen an das Glas heißen Thees und an die fröhliche Unterhaltung, die meine düsteren Gedanken vertreiben würden.

Gefunden? ertönte Bolchows Stimme aus der Maishütte, in der ein Flämmchen schimmerte.

Ich habe ihn hergebracht, Euer Wohlgeboren, antwortete Nikolajew in tiefem Baß.