Wie kann er leben, wenn ich Ihnen sage, ich selber habe ihn gesehen! sagte der Fähnrich. Ich bitte Sie! wenn wir nur erst unsere eigenen Leute fortgeschafft hätten! ... Sieh' da, jetzt schießt die Kanaille mit Kanonenkugeln! fügte er hinzu.
Michajlow setzte sich und faßte sich an den Kopf, der ihm von der Bewegung aufs heftigste schmerzte.
Nein, wir müssen jedenfalls hin und ihn mitnehmen; vielleicht lebt er noch, sagte Michajlow. – Das ist unsere Schuldigkeit, Michail Iwanytsch!
Michail Iwanytsch antwortete nicht.
»Der hat ihn vorhin nicht mitgenommen, und jetzt muß ich die Soldaten allein schicken; aber darf ich sie schicken? – Bei solch einem schrecklichen Feuer können sie zwecklos getötet werden,« dachte Michajlow.
Kinder! wir müssen zurückgehen, um einen Offizier mitzunehmen, der dort im Graben verwundet worden ist, rief er nicht allzu laut und befehlend, da er fühlte, wie unangenehm den Soldaten die Erfüllung dieses Befehls sein würde, – und wirklich, da er niemand mit Namen bezeichnet hatte, trat keiner vor, dem Geheiß nachzukommen.
»Es ist wahr: vielleicht ist er schon tot und es lohnt sich nicht, die Leute einer unnötigen Gefahr auszusetzen; nur an mir liegt die Schuld, weshalb habe ich mich um ihn nicht bekümmert. Ich werde selber gehen, mich zu überzeugen, ob er noch lebt. Das ist meine Schuldigkeit,« sprach Michajlow zu sich selbst.
Michail Iwanytsch! führen Sie die Kompagnie, ich werde nachkommen, sagte er und lief, mit der einen Hand den Mantel aufhebend, mit der andern das Bild des heiligen Mitrophan, zu dem er ein besonderes Vertrauen hatte, fortwährend berührend, im Trabe den Laufgraben entlang.
Nachdem sich Michajlow überzeugt, daß Praßkuchin tot war, schleppte er sich, keuchend und mit der Hand den locker gewordenen Verband und den heftig schmerzenden Kopf haltend, zurück. Als er sein Bataillon erreichte, stand es bereits unten am Berge an Ort und Stelle und fast außerhalb Schußweite. Ich sage: fast, nicht außerhalb Schußweite, weil bisweilen auch bis dahin sich Bomben verirrten.