Wir wünschen Euer Wohlgeboren Gesundheit! sagte er in demselben schwerfälligen Baß.

Wo steht jetzt das Regiment?

Hat in Sewastopol gestanden, wollte am Mittwoch abmarschieren, Euer Wohlgeboren.

Wohin?

Unbekannt ... jedenfalls nach der Nordseite, Euer Wohlgeboren! Jetzt, Euer Wohlgeboren, fügte er mit gedehnter Stimme und die Mütze aufsetzend hinzu, hat er bereits überall zu feuern angefangen, am meisten aus Bomben, sogar die Bucht beschießt er; jetzt trifft er so, daß es ein wahres Unglück ist, sogar ...

Was der Soldat weiter sprach, war nicht zu hören, aber aus dem Ausdrucke seines Gesichts und aus seiner Haltung war ersichtlich, daß er mit der einem leidenden Menschen eigenen Gereiztheit trostlose Dinge erzählte.

Der reisende Offizier, Leutnant Koselzow, war kein Dutzend-Offizier. Er gehörte nicht zu denen, die so leben und so handeln, weil die anderen so leben und so handeln: er that alles, wozu er Lust hatte, und die anderen thaten dasselbe, und waren überzeugt, daß es gut war. Er war von Natur reich ausgestattet mit kleinen Gaben: er sang schön, er spielte die Guitarre, er sprach sehr lebhaft, er schrieb sehr leicht, besonders amtliche Schriftstücke, in deren Abfassung er sich eine große Leichtigkeit angeeignet hatte, als er Bataillons-Adjutant war; vor allem aber war sein Wesen bemerkenswert durch eine ichsüchtige Energie, die, obgleich sie vor allem auf dieser kleinen Begabung beruhte, an sich ein entscheidender und überraschender Charakterzug war. Er besaß einen Ehrgeiz, der in so hohem Grade mit dem Leben in eins verschmolzen war und der sich am häufigsten in Kreisen von Männern, besonders von Militärs, entwickelt, daß er etwas anderes, als der erste zu sein oder nichts zu sein, gar nicht verstand, und daß sein Ehrgeiz auch der Hebel seiner inneren Triebe war: er in eigener Person war gern der erste unter den Menschen, die er sich gleichstellte.

Wie? ich werde mich gerade um das kümmern, was Moskau[D] schwatzt! ... brummte er, und er empfand einen gewissen Druck von Apathie auf dem Herzen und Verschwommenheit im Denken; der Anblick der Verwundeten und die Worte des Soldaten, deren Bedeutung durch die Töne des Bombardement verstärkt und bestätigt wurde, hatten diese Gefühle in ihm zurückgelassen. Dies Moskau ist lächerlich! ... Vorwärts, Nikolajew! Rühr' dich ... Was, du bist eingeschlafen? ... fuhr er den Burschen an, indem er die Schöße seines Mantels in Ordnung brachte.

[D] In vielen Linienregimentern nennen die Offiziere halb verächtlich, halb schmeichelhaft die Soldaten »Moskau« oder auch »Eid«.