Rechts von der Thür, um einen schiefen, schmutzigen Tisch, auf dem zwei kupferne Ssamoware standen, die hie und da schon grün geworden waren, und Zucker in verschiedenen Papieren lag, saß die Hauptgruppe: ein junger, bartloser Offizier in einem neuen gesteppten Rock aus buntem Baumwollenzeug; vier gleichfalls junge Offiziere befanden sich in verschiedenen Ecken des Zimmers: der eine schlief, mit einem Pelz unter dem Kopf, auf dem Sofa; ein anderer stand am Tisch und schnitt Hammelbraten für einen an dem Tische sitzenden Offizier, dem ein Arm fehlte. Zwei Offiziere, der eine im Adjutantenmantel, der andere mit einem Infanteriemantel, der aber sehr fein war, und mit einer Tasche über der Schulter, saßen in der Nähe der Ofenbank; und schon daran, wie sie die anderen ansahen, und wie der mit der Tasche seine Cigaretten rauchte, konnte man sehen, daß sie nicht Offiziere von der Linien-Infanterie waren, und daß dies ihnen Selbstbewußtsein gab. Nicht etwa, als ob in ihren Manieren Geringschätzung gelegen hätte, wohl aber eine gewisse selbstzufriedene Sicherheit, die sich zum Teil auf ihr Geld, zum Teil auf ihre nahen Beziehungen zu dem General stützten – ein Bewußtsein der Vornehmheit, das sogar bis zu dem Wunsche ging, sie zu verbergen. Ein noch junger Arzt, mit dicken Lippen, und ein Artillerist mit deutscher Physiognomie saßen fast auf den Beinen des auf dem Sofa schlafenden jungen Offiziers. Von den Offiziersburschen schlummerten die einen, während die anderen mit Koffern und Bündeln an der Thür hantierten. Koselzow fand unter allen Gesichtern kein einziges bekanntes; aber er begann neugierig den Gesprächen zu lauschen. Die jungen Offiziere, die, wie er auf den ersten Blick erkannte, soeben erst von der Kriegsschule gekommen waren, gefielen ihm, und, was die Hauptsache war, sie erinnerten ihn daran, daß sein Bruder ebenfalls in diesen Tagen aus der Kriegsschule nach einer der Batterien Sewastopols kommen sollte. An dem Offizier aber mit der Tasche, dessen Gesicht er irgendwo gesehen hatten, erschien ihm alles widerwärtig und frech. Er ging sogar mit dem Gedanken, ihm heimzuleuchten, wenn ihm etwa einfallen sollte, ein Wort zu sagen, von dem Fenster zur Ofenbank und setzte sich dorthin. Als reiner Liniensoldat und guter Offizier hatte er überhaupt die »Stabsleute« nicht gern, und als solche hatte er auf den ersten Blick diese beiden Offiziere anerkannt.
IV
Das ist aber schrecklich ärgerlich! sagte einer der jungen Offiziere, schon so nahe, und nicht hinkommen können. Vielleicht giebt's heute etwas, und wir sind nicht dabei.
Aus der kreischenden Stimme und den roten Flecken, die das Gesicht des Offiziers belebten, während er das sagte, sprach die liebenswürdige, jugendliche Schüchternheit eines Menschen, der beständig in der Furcht ist, es könnte ihm ein Wort mißglücken.
Der Offizier ohne Arm sah ihn lächelnd an.
Sie werden schon noch zur rechten Zeit hinkommen, glauben Sie nur, sagte er.
Der junge Offizier sah dem Kameraden ohne Arm mit Achtung in das abgemagerte Gesicht, in dem plötzlich ein Lächeln aufleuchtete, verstummte und beschäftigte sich wieder mit dem Thee. In der That sprach aus den Zügen des Offiziers ohne Arm, aus seiner Haltung und besonders aus seinem leeren Ärmel jener ruhige Gleichmut, den man so erklären kann, als ob er bei jeder Handlung, die er mit ansah, oder bei jedem Gespräch, das er anhörte, sagte: »Das ist alles schön, das weiß ich alles, ich kann auch all das thun, wenn ich nur wollte.«
Wie machen wir's also, sagte jetzt der junge Offizier zu seinem Kameraden im baumwollenen Rock: wollen wir hier übernachten oder mit unserm eigenen Pferde fahren?