Wenn Preußen die Neutralität bewahrt, sagte die eine Stimme, so wird auch Österreich ...

Ach was, Österreich, sagte die andere, wenn die slavischen Völker ... Laß eintreten.

Koselzow war nie in dieser Blindage gewesen. Sie frappierte ihn durch ihren Luxus. Der Fußboden war getäfelt, an der Thür hielt eine spanische Wand den Wind ab. Zwei Betten waren an den Wänden aufgestellt; in einer Ecke stand ein großes Bild der Gottesmutter in goldenen Gewändern, und vor ihm brannte eine rosa Lampe. Auf dem einen Bett schlief ein Marineoffizier, vollständig angekleidet; auf dem andern saßen vor einem Tisch, auf dem zwei halbvolle Flaschen Wein standen, der neue Regimentskommandeur im Gespräch mit seinem Adjutanten. Obgleich Koselzow durchaus kein Feigling war und sich weder der Behörde, noch dem Regimentskommandeur gegenüber einer Schuld bewußt war, wurde er doch zaghaft bei dem Anblick des Hauptmanns, der vor kurzem noch sein Kamerad gewesen war; so stolz erhob sich dieser Hauptmann, um ihn auszufragen. »Sonderbar, dachte Koselzow, während er seinen Kommandeur ansah, sieben Wochen sind es erst, daß er das Regiment bekommen hat, und wie deutlich spricht schon aus allem, was ihn umgiebt, aus seiner Kleidung, aus seinem Gebahren, aus seinem Blick, die Würde des Regimentskommandeurs. Vor kurzem – dachte er – hat dieser Batteriechef noch mit uns gezecht, an Wochentagen ein dunkles Zitzhemd getragen, das länger rein hält, nie jemand zu sich eingeladen, und immer und ewig Klops und Quarkpiroggen gegessen, und jetzt? ... Und im Blick dieser Ausdruck kalten Hochmuts, der zu sagen scheint: wenn ich auch dein Kamerad bin, weil ich Regimentskommandeur neuer Schule bin, glaube nur, ich weiß, wie gern du dein halbes Leben hingäbest, um an meiner Stelle zu sein!«

Sie haben sich recht lange kurieren lassen, sagte der Oberst zu Koselzow und sah ihn kühl an.

Ich bin krank gewesen, Oberst! Die Wunde ist jetzt noch nicht ganz geschlossen.

So sind Sie unnütz gekommen, sagte der Oberst und betrachtete mißtrauisch die volle Gestalt des Offiziers. Sie können aber doch den Dienst versehen?

Gewiß kann ich das!

Nun, ich freue mich sehr. So übernehmen Sie vom Fähnrich Sajzow die neunte Kompagnie – Ihre frühere; sogleich werden Sie die Ordre erhalten.

Zu Befehl!

Wollen Sie die Güte haben, wenn Sie fortgehen, den Regimentsadjutanten zu mir zu schicken, schloß der Regimentskommandeur, und gab durch eine leichte Verbeugung zu verstehen, daß die Audienz beendet sei.