Auf Piratenkurs!

Da sagt er kühl, indem er aufsteht: »Wollen Sie mich für einen Narren halten? Dann danke ich Ihnen und wünsche Ihnen alles Gute.«

Damit geht er kurz zur Tür und läßt mich stehen.

Das war ihm zu viel, als ich ihm das erzählte. Die Wahrheit konnte er nicht vertragen. Ein Segelschiff als Kreuzer? —!

Wie ich den Befehl aufmache, da steht zu lesen: »Auslaufen nach eigenem Ermessen.«

Das war der schönste Augenblick, da ich dies den Leuten bekanntgab.


Zehntes Kapitel.
Blockadebrecher.

Jetzt hatten wir uns selbst in der Hand. Freude brauste durch das Schiff. Die bösen Ahnungen, die uns schon durchzogen hatten, wichen, und der sehnsüchtige Wunsch aller war: »Südwestwind komme nur.«

Am 20. Dezember wurden nochmals alle Vorkehrungen getroffen, die Schottenketten und Brassen überholt und die Verschleierungsrolle noch einmal geübt. Wir untersuchten jeden Raum des Oberschiffs bis in den Kohlenkasten, ob nirgends etwas Deutsches vorlugte, und spielten uns gegenseitig den englischen Untersuchungsoffizier vor. Da haben mich die Jungens gehörig ausgequetscht: »Wo haben Sie den Bleistift gekauft?« »Davon habe ich mir ein halbes Dutzend in Christiania besorgt.« »Haben Sie Geschwister?« Die mußte ich alle hersagen. Wir hatten ja alle Möglichkeiten in Betracht zu ziehen. »Wolf« und »Möwe« hatten so etwas nicht nötig, sie führten an Stelle der Verschleierung Torpedos und Geschütze. Wenn ein feindlicher Hilfskreuzer nahte, während sie unter neutraler Flagge fuhren, dann ließen sie ihn herankommen, hißten die Kriegsflagge, pfefferten ihm einen Torpedo in den Leib oder pengten ihn mit Kanonen hinunter. Wir hatten nichts dergleichen und mußten damit rechnen, bei schlechtem Winde wochenlang in der Blockade zwischen England und Norwegen hin- und herzufahren.