Elftes Kapitel.
Eine peinliche Untersuchung.

Der 25. Dezember brach an. Wir fühlten schon alles überstanden, die Blockade durchbrochen, die Eiszeit hinter uns, das freie Meer um uns, Kriegshandwerk vor uns. Da ruft morgens um ½ 10 Uhr, während wir nichts Böses ahnten, der Ausguck von oben: »Dampfer achter aus!«

Was, hier ein Dampfer? Das kann in dieser Gegend nur ein Kreuzer sein. Ich kletterte etwas höher hinauf und gewahre einen großen Hilfskreuzer. Welches Pech nach soviel Glück. Nun kam die Ernstprobe; nun konnten wir uns fürchterlich blamieren.

»Klar zur Verschleierung!« war jetzt das Kommando.

Das bedeutete: Die nicht norwegisch sprechende Besatzung in Uniform klar bei Handwaffen unter Deck, wer nicht Gewehre oder Handgranaten hatte, legte Sprengpatronen an in der Geschoßkammer vorn, mitschiffs im Motorraum und achtern in der Sprengkammer. Dann wurden die Leute unter ihren geheimnisvollen Luken in Gruppen verteilt.

Aber zunächst sollte nicht die Waffe, sondern die Maske sprechen. Noch einmal werden die Jungs versammelt. »Wir haben uns geprüft, als wir durch die Minen gingen, im Sturm, in Eis und Schnee. Jetzt gilt es noch einmal eine Prüfung. Habt ihr Vertrauen zu euch? Bloß nicht aufgeregt scheinen! Backbordwache zur Koje. Steuerbordwache an Deck, denn je weniger wir sind, desto besser. Jeder soll etwas Beschäftigung haben, keiner sich umgucken. Daß mir keiner durchdreht! Selbstbeherrschung und echt norwegischen Benimm!«

Der Kreuzer signalisiert. »Daß ihr mir das Signal nicht etwa zu rasch erkennt, Jungs! So ein Norweger hat bloß alte unscharfe Gläser.«

Unterdessen wird die Kajüte in Empfangszustand gesetzt, Matratzen raus, Schiebladen raus, alle nochmals tüchtig voll Wasser, die Unterbüxen ausgehängt, die Papiere aus dem nassen Löschpapier in der Kajüte »zum Trocknen« ausgelegt, kurz die »nasse Rolle« wird gespielt.

»Un nu, Jeanette, mak di kloar!«