»... Ehe wir’s uns versahen, hatte er sein Boot zu Wasser.«
Der alte, schneeweiße Mann bittet mich: »Lassen Sie doch mein altes Schiff, ich fahre nach einem neutralen Hafen, ich habe Frau und Kinder daheim.«
»Glauben Sie, Mister Chewn, daß ein deutsches Schiff, das hier gefunden würde, Schonung erführe?«, fragte ich ihn.
Es erklärte sich jetzt, warum er auf den ersten Schuß nicht reagiert hatte. Er war der Meinung gewesen, wir schössen mit einem Böller, um nach altmodischer Art Uhrvergleich zu machen. Deswegen hatte er die britische Flagge geheißt; diese und nicht der Böllerschuß sollte die Uhrzeit angeben, wenn sie wieder herabgeholt würde. Beim zweiten Schuß hatte sein Koch eine Granate einschlagen sehen und ein U-Boot gemeldet, daher die Flucht. Erst beim dritten Schuß hatten sie unser Mündungsfeuer gesehen und dann auch die Kriegsflagge beachtet. »By Jove, that’s the best catch I ever saw.« (Beim Himmel, das ist die beste Falle, die ich je sah.«)
Ich schickte den Kapitän wieder an Bord seines Schiffes. Dann wurde von ihm, seinen Leuten und unserer Prisenbesatzung unter Leutnant Pries alles Wünschenswerte zusammengepackt und herübergeholt, insbesondere der feine Proviant, den ich ja für unsere neuen Gäste brauchte. Dann wurden die 26 Engländer und Farbigen bei uns einlogiert; der Dampfer, der unserem »Admiralsschiff« Seeadler im Kielwasser gefolgt war, rasch noch photographiert. Der war ja mehr wert, als der ganze »Seeadler«, und unsere Fahrt begann sich zu lohnen. Als der Abend heraufdunkelte, wurde die Sprengbombe angelegt, denn wir mußten damit rechnen, daß Kreuzer in der Nähe wären.
Unsere erste Prise verläßt die Oberfläche.
Nach zehn Minuten ging der Bug unter Wasser. Das Heck trotzte eine ziemliche Weile. Wie es noch herausschaut, nähert sich ein Dampfer, den wir nach seinen Seitenlichtern für einen neutralen hielten, der »Unfallstelle«. Es war ein Zeitraum höchster Spannung. Aber gerade noch zur rechten Zeit gibt es eine zweite Explosion, der Luftdruck reißt das Heck auseinander, eine Wasserfontäne springt auf, das Schiff verschwindet in der Tiefe und steuert seinen letzten Kurs. Eine Menge Hölzer und Bretter zeigt die Versenkstelle an, und wir fahren als harmloses Segelschiff weiter und wissen von nichts. Neutrale oder für neutral zu haltende Schiffe bedeuten für uns eine große Ungelegenheit. Hielten wir sie an und untersuchten sie, dann konnten sie uns nachher, nachdem wir sie freigegeben hatten, verraten; denn unsere Stärke bestand ja vor allem darin, daß der Feind keine Ahnung von einem Segelschiff als Hilfskreuzer hatte.