Mister Chewn war sehr erstaunt, daß ihm eine so nette Kajüte vorgesetzt wurde, noch mehr aber darüber, daß er darin der erste war. »Only me?«, fragte er recht unglücklich. Wir versprachen ihm, möglichst bald für Gesellschaft zu sorgen. Bootsmann Dreyer freute sich am meisten, Feinde an Bord zu haben; endlich waren Arbeitshände genug da, um das Zwischendeck und die große Mannschaftsküche einzurichten.

Leider ein Neutraler!

Wir vermuteten in einer »guten« Gegend zu sein und steuerten weiter auf Madeira zu. Am nächsten Mittag wurde ein Dampfer gesichtet, der quer zu unserem Kurse fuhr. Auf unsere Signale reagiert er nicht. Der Motor wird klar gemacht, die Schraube eingekuppelt. Wir fahren auf den Dampfer zu, bis unsere Kurse sich beinahe kreuzen. Ausweichen konnten wir nicht mehr, nur das Schiff durchdrehen und im Winde schießen lassen. Wir werden dazu gezwungen, da der Dampfer seinerseits nichts veranlaßte, um einen Zusammenstoß zu vermeiden, obwohl nach dem Straßenrecht auf See ein Dampfer jedem Segelschiff ausweichen muß. Wir erkennen in ihm einen Engländer; er passiert dicht bei 300 Meter Entfernung. Alle Segel werden aufgegeit, Kriegsflagge geheißt und sofort geschossen. Er geht mit äußerster Kraft weiter. Wieder ein Schuß. Er dreht sein Schiff in den Wind, weil er ganz richtig glaubt, ein Segelschiff kann gegen den Wind nicht folgen. Wir fangen an rücksichtslos zu schießen, um zu treffen, sehen auch wiederholt Einschläge am Schiff, bis endlich ein Treffer an Deck einschlägt. Man sieht die Menschen an Bord hin- und herlaufen, hört die Dampfpfeife heulen. Die Schraube stoppt. Wir fahren näher, und weil der Kapitän das Leben seiner Mannschaft so kalt gefährdet hatte, setzten wir kein Boot aus, sondern ließen sie zur Strafe selbst herüberkommen.

Es war die »Lundy Island«, ein schöner großer Dampfer, offenkundig auf der Heimreise, denn die Deckmalerei war schon überall fertig.

Die Ruderkette des Dampfers war von der Granate getroffen, er gehorchte dem Steuer nicht mehr. Schon nach dem ersten Schuß war der schneidige Kapitän gezwungen gewesen, selbst ans Ruder zu gehen, weil alles davonlief. Nachdem dann alle seine Leute planlos ihre Boote zu Wasser gelassen hatten, war er allein an Bord zurückgeblieben und lief mit seiner Handtasche auf der Brücke hin und her.

Die feindliche Mannschaft ruderte so schlecht, daß wir Erbarmen fühlten und schließlich ein eigenes Boot aussetzten.

Im letzten Boot kommt der Kapitän an, ich lasse ihn nach Achterdeck bitten und halte ihm seinen Leichtsinn vor. Weshalb er sich nur so benommen hätte?

In diesem Augenblick kommt unser Schiffsarzt, Dr. Pietsch, der schon auf »Möwe« eine Kaperfahrt mitgemacht hatte.