Im deutschen Gefangenenlager hat sich das Gerücht unserer Ankunft verbreitet.
Gespannte Erwartung.
In den neuseeländischen Lagern waren Gefangene von über 70 und unter 10 Jahren! Das Versprechen, die Leute, die 45 Jahre überschritten hatten, auszutauschen, wurde dauernd hintertrieben, soweit es sich um Personen von aufrechter deutscher Gesinnung handelte. Bewunderungswürdig ist es, wie der Engländer nichts zu tun versäumt, was einer feindlichen Rasse auf Menschenalter hinaus schadet, und wie er dabei mit den Unglücklichen, deren bürgerliches Dasein und deren Gesundheit er grausam ruiniert, reden kann, als ob ein Freund zu ihnen spräche: »Wir internieren Sie nur, um Sie zu schützen. Die Regierung will Ihr Bestes.« Der Engländer, als einzelner Mensch vielfach so sympathisch, ist doch in einem von uns Deutschen kaum nachfühlbaren Grad von der Politik seines Landes durchdrungen. Einerlei, ob er Demokrat oder Aristokrat, ob er Mitglied des »Vereins christlicher junger Männer« oder ein jovialer Landmann ist, die Gemeinsamkeit der nationalen Interessen bestimmt sein Verhalten stets von Mensch zu Mensch. Der Deutsche schnauzt einen an und sagt gehörig seine Meinung, aber er tut, was er verspricht. Der Engländer bleibt immer gemessen und verbindlich, aber auf sein Wort dem Ausländer gegenüber ist nicht viel zu geben. Die stehende Phrase: »We will see, what we can do for you, we shall try our best (Wir wollen sehen, was wir für Sie tun können, wir werden unser Bestes versuchen),« wurde zum geflügelten Wort unter uns Gefangenen. Während der Arglose dauernd hoffte, geschah in Wirklichkeit nichts.
(Phot. R. Hofmann, Kassel.)
»... In den neuseeländischen Lagern waren Gefangene von über 70 und unter 10 Jahren.«
Bekamen die Gefangenen einmal Besuch von ihren Frauen, so durfte das Gespräch auch bei mangelnder Kenntnis des Englischen nur in dieser Fremdsprache und im Beisein eines Postens geführt werden. Zu der vollständigen Rechtlosigkeit und Ohnmacht der Gefangenen nehme man die niederdrückende Einwirkung der feindlichen Presse, deren Hauptdaseinszweck schien, alles Deutsche zu schmähen und ihm den Untergang vorherzusagen; die Ungewißheit über die Dauer der Freiheitsberaubung, die Aussicht auf Verarmung oder gar Verlust der Existenz, das lastende Gefühl einer ungeheuren Ungerechtigkeit und eines parteiischen Schicksals: — wieviel Herzlichkeit und guten Willen hatte die verfemte deutsche Rasse nötig, daß man hinter dem Stacheldraht in all den Jahren den Humor nicht ganz verlor.
»... daß man hinter dem Stacheldraht den Humor nicht ganz verlor.«