Siebzehntes Kapitel.
Flucht und neue Kaperfahrt.
Der 13. Dezember 1917 war der Tag, an welchem die Flucht gelang. Das Glück hatte uns an den tausend Zufällen, die unsere umständliche und kecke Verschwörung vereiteln konnten, heil vorbeigeleitet. Jetzt wurde dem Eifer meiner Jungs der Lohn zuteil. Die Freiheit winkte wieder, und die Hoffnung, dem Vaterland mit unsern jungen, frischen Kräften dienen zu können.
Es schien ja fast unbegreiflich, wie das Mißtrauen der Neuseeländer eingeschläfert war. Hatten sie uns doch als Rarität in einer Weise bewacht, wie noch kaum je Kriegsgefangene behütet worden waren. Sie trauten mir die unglaublichsten Streiche zu. Wir waren sozusagen eines ihrer größten Ruhmesblätter: als ein Mann, der seine ganze Seemannslaufbahn in Australien angefangen hatte, war ich jetzt Gegenstand der australischen Triumphgefühle, und die Zeitungen redeten selbstgefällig von »weltgeschichtlichen« Ereignissen in der Südsee. Fortwährend fürchtete man das Auftauchen der »Seeadler«-Mannschaft, und über ein Dutzend Motorboote suchte die Gegend um Motuihi nach ihr ab. Allem diesem zum Trotz konnten wir uns nun anschicken, die Kriegsgeschichte jenes Erdenwinkels um ein ganz neues Kapitelchen zu vermehren.
Der Oberstleutnant wurde mit seiner Tochter gegen Abend zurückerwartet. Sobald er das Boot verlassen hätte, sollte Paulsen nach unserem Kriegsplan den Mast niederlegen. Auf dieses Signal sollte jeder zusehen, wie er aus der Lagerumzäunung käme, und zu seiner Rolle eilen. Schwierig wurde das Verlassen des Lagers erst, wenn der Oberstleutnant sich so sehr verspätete, daß der allabendlich um 6 Uhr stattfindende Namensaufruf uns dazwischen kam, denn nachher durfte man das Lager nicht mehr verlassen.
»Mr. Turner, Sie haben die Tür offen gelassen.«
(Englische Karikatur auf unsere Flucht.)
Endlich um halb sechs Uhr wurde die »Perle« von unserem Ausguckposten gemeldet. Diejenigen von uns, die nicht aus irgendeinem Grund vom Namensaufruf befreit waren, mußten also diesen erst abwarten und danach zu irgendeiner List greifen. Wir anderen entfernten uns jeder unter einem Vorwand. Kircheiß ging, weil er zu einem Entenessen eingeladen war, ich mußte zu Gouverneur Schultz usw.